Wenn Donald Trump ein Auto wäre

Ich bin – typische Vertreterin meiner Generation – eine begeisterte Autofahrerin. Manchmal fahre ich einfach nur so durch die Gegend (um aus der Stadt rauszukommen, um den Frühling zu sehen, um ein bisschen Musik zu hören und ein Bier zu trinken). Der Anblick eines neuen Fiat Cinquecento erfreut mich, und ein gut gepflegtes Saab-900-Cabrio kann mich in schieres Entzücken versetzen. Kurz, ich bin des grundlosen Auto-Bashings und Öko-Terrorismus gänzlich unverdächtig.

Und doch ist auf deutschen Straßen seit ein paar Jahren etwas unterwegs, was auch mich plötzlich eine tiefe Sorge um unsere liebe Natur verspüren, vor allem aber ernsthaft um den gesellschaftlichen Zusammenhalt bangen lässt. Es nennt sich recht harmlos und ziemlich blöd „Sport Utility Vehicle“, aber es sieht aus wie eine Drohung, und wenn man erst mal hinter einem gefahren ist oder versucht hat, neben einem zu parken, dann weiß man ganz sicher, dass kein Platz mehr ist für einen auf der Welt.

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Nicht nur die Reifen sind inzwischen doppelt so groß: Die Evolution hat im Laufe der letzten 50 Jahre viele neue, schreckliche Arten hervorgebracht.

Der Volksmund nennt den neuen Fahrzeugtyp treffend, aber doch allzu liebevoll „Hausfrauenpanzer“. Der Begriff weist gleichwohl in die richtige Richtung, denn beim „Sport-Brauchbarkeits-Vehikel“ geht es mitnichten um Sport, sondern um den Vernichtungskrieg auf den Straßen, um das Recht des Stärkeren, quasi um den Häuserkampf um den Parkplatz. Denn Feindseligkeiten jedweder Art sind ja das einzige Gebiet, auf dem man in einem solchen plumpen Ding eventuell einen Vorteil hätte. (Feindseligkeit ist im Übrigen auch das einzige Gefühl, das diese Sorte Auto bei allen Guten und Gerechten auslöst.)

Was mich angesichts der steigenden Zahl der SUV-Neuzulassungen in Angst und Schrecken versetzt, ist allerdings nicht die Frage nach der Gesamt-CO2-Bilanz all der vielen neuen deutschen Kraft-Wagen, die die von Kuwait (ja, Kuwait!) und China vermutlich noch deutlich übersteigt. Es ist auch nicht die Tatsache, dass der SUV-Fahrer bei einem Unfall in seinem Leopard 2 recht sicher sitzt, während der von ihm gewählte Fahrzeugtyp im Straßenverkehr nicht nur generell das Unfallrisiko erhöht, sondern auch beim Unfallgegner – andere, kleinere Autos, Motorradfahrer und Kinder – prinzipiell deutlich schlimmere Verletzungen hinterlässt als andere, kleinere Autos. Ich kann unter Umständen auch noch damit leben, dass mir der Vordermann auf der Straße dauernd seinen fetten Arsch entgegenstreckt und ich hinter einem SUV vom übrigen Verkehrsgeschehen nichts mehr sehen kann, während man vor mir – ungefähr auf Arschloch-Höhe – vermutlich den allerbesten Überblick genießt.

All dies ist sicher ärgerlich. Aber was mich wirklich beunruhigt ist, dass es in diesem Land eine ziemlich große Anzahl von Zeitgenossen gibt, deren ästhetisches Empfinden zutiefst gestört ist. Ich meine, Protzsucht,  Kraftmeierei und Allmachtphantasien, die sich in Autoform ausdrücken, sind per se ja nichts Neues, aber so hässlich kamen sie wirklich noch nie daher. Denn irgendwelche Schönheit oder gar Eleganz ist ja an diesen Bulldozern nicht zu entdecken, und man fragt sich unweigerlich, warum irgendjemand etwas so optisch Abstoßendes fahren oder gar besitzen möchte. Ein Porsche wäre mir deutlich leichter vermittelbar. (Aber der ist halt auch für viele viel zu teuer.)

Vielleicht ist es ein Ausdruck der neuen, abstoßenden Stimmung der Zeit. Der Trend zum automobilen Größenwahn stammt ja – wen wundert’s – aus den USA. Und nun überlegen Sie mal: Wenn Donald Trump ein Auto erfunden hätte (oder ein Auto wäre), würde es nicht genauso aussehen?

Aufkündigung des Klimaabkommens, Zäune gegen Mexikaner und Waffen für alle – da nimmt sich auch der verängstigte deutsche Egomane gerne ein Beispiel und überrollt uns im abgeschotteten Panzer (während er um das traute Eigenheim einen dieser hässlichen Drahtkäfige mit Steinen als Boll- und Mauerwerk gezogen hat). Jedoch, das vergiftet das Klima, und besonnene, friedliebende und versöhnungswillige Zeitgenossen wie ich drängen auf Abrüstung. Wie also werden wir diese neue, extreme Form automobilgewordener Rücksichtlosigkeit wieder los und bringen wieder ein bisschen mehr (Umwelt-)Freundlichkeit und deutlich mehr Schönheit in diese Welt? Nun, ich hätte da ein paar Vorschläge:

Liebe SUV-fahrende Familienväter und Durchschnittsverdiener: Wäre es ökonomisch nicht deutlich sinnvoller die vom Mund und Kindergeld abgesparten Leasing-Raten statt für den Angeber-Mithalte-Wettbewerb für einen schönen, gebrauchten Kombi auszugeben? Mit dem, was ihr an Spritkosten spart, könnt ihr dann vielleicht auch mal wieder mit der ganzen Familie am Goldstrand urlauben.

Ihr lieben namengebenden Hausfrauen und Gattinnen, wenn ich euch auf dem Supermarktparkplatz verzweifelt herumkurbeln und rangieren sehe, frage ich mich immer, ob ihr euch diesen SUV wirklich gewünscht habt oder ob das Geld nun einfach nicht mehr für einen Zweitwagen reicht. Im ersteren Fall: Habt wenigstens ihr den Mut, euch einzugestehen, dass die Sache eine Nummer zu groß für euch ist (und verlangt euren alten Golf zurück)! Eure Gatten würden das niemals tun, die vermeiden einfach das Einparken, entsorgen ihr vierrädriges Problem vor fremden Einfahrten oder blockieren beim Halten in der zweiten Reihe andere Verkehrsteilnehmer.

Ihr wohlhabenden, wichtigen, aber trotzdem klein gewachsenen Männer, die ihr euer Little-Man-Syndrom beim Autokauf kompensiert: Ein Aston Martin ist doch ein viel schönerer und stilvollerer Penis-Ersatz. (James Bond käme jedenfalls niemals im SUV daher!)  Alle anderen Großmannssüchtigen, die auch weiterhin gerne im schweren Gerät auffahren, dabei erhöht sitzen und auf andere herabschauen möchten, seien im Übrigen auf den Bus verwiesen.

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2 Kommentare zu „Wenn Donald Trump ein Auto wäre

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  1. Ich frage mich auch immer was diese Monster in Innenstädten oder auf Supermarktparkplätzen zu suchen haben. Ich meine, wären wir im Outback, ok. Aber im Rheinland?! Übrigens, auch Männer kurbeln in diesen Panzern hilflos herum, nicht nur Hausfrauen.

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