My little Corona Diary, Band 2

Montag, 2. November 2020

Ich gebe es natürlich ungern zu, aber: Ich habe mich geirrt. Denn auch wenn strukturell nichts Neues mehr passiert, ist Corona noch nicht auserzählt. Ich weiß nicht, ob ich im Frühsommer wirklich an das Heranschwappen der zweiten Welle geglaubt habe, aber jetzt ist sie – um mal in dem schlechten Bild zu bleiben – ganz offensichtlich mit Macht auf den Strand des öffentlichen Lebens geschlagen – und hat uns von der Promenade vertrieben. Es ist wieder Lockdown, und da hole ich natürlich schnell das Tagebuch wieder heraus, denn es gilt ja, das Böse schreibend zu bannen. Weil jedoch wie gesagt nichts passiert, was wir nicht schon kennen, weiß ich nicht, ob ich die Seiten auch füllen kann. Aber was soll´s: Im deutschen Fernsehen schreckt ja auch niemand vor Wiederholungen zurück.

Einen gravierenden Unterschied habe ich allerdings doch entdeckt zwischen Ausnahmezustand 1 und Ausnahmezustand 2, und der betrifft die Art und Weise, wie die bevorstehende Zeit der Entbehrung der Bevölkerung jeweils angekündigt wurde: Hatte die Bundeskanzlerin im März noch die durchaus pathetische Form der großen Ansprache ans Volk gewählt, um selbiges – die deutsche Fahne neben und ein Bild des Reichs- bzw. Bundestags hinter sich – auf die Krise und die Notwendigkeit des Verzichts einzuschwören und an die Solidarität zu appellieren, so dekretierte sie die neuerlichen Einschränkungen letzten Mittwoch ohne unnötige Gefühlsduselei auf einer Pressekonferenz und diktierte den Multiplikatoren die Maßnahmen in Katalogform in die Mikrofone: „Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, werden untersagt. […] Gastronomiebetriebe, Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen werden geschlossen […].“ Einen sensiblen Menschen wie mich hat die freundliche Variante im März natürlich deutlich mehr angesprochen und erreicht.

Ansonsten ist das vorläufig Erschreckendste an diesem neuerlichen Lockdown das Maß, in dem er mich kaltlässt. Das zeigt natürlich vor allem, an wie viel Tristesse wir uns im letzten halben Jahr schon gewöhnt haben. Man kennt es inzwischen fast nicht mehr anders. Aber heute war ja erst Tag 1 von Notstand 2. Schauen wir also mal, was die schlechten Zeiten noch so bringen.

Jetzt wieder jeden Abend bildungsbürgerliche Einöde: Nichts als ein gutes Glas Wein und Thomas Mann

Ein Kommentar zu „My little Corona Diary, Band 2

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  1. Ist das jetzt Resilienz oder Fatalismus? Jedenfalls mischt sich mehr und mehr der Gedanke dazu: Wird das jetzt „normal“? Werde ich mit Maske auf dem Sofa alt – während ich am Tropf der Erinnerung hänge? Na ja, Hauptsache, es gibt Konzerte on demand. Und Chips. Fatalismus, eindeutig!

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