My little Corona Diary, Band 2, Tag 7

Sonntag, 8. November 2020

In Krimis und Fernsehfilmen der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten kann man erstaunlich häufig eine Unstimmigkeit beobachten, die eigentlich unverzeihlich ist, sich aber vermutlich aus irgendwelchen guten (?) Gründen doch nicht vermeiden lässt. Ich nenne sie die Sommer-Herbst-Kommutation, und sie lässt sich so beschreiben: Die filmische Handlung behauptet Sommer, die umgebende Natur jedoch zeigt Herbst. Das Ganze sieht dann zum Beispiel so aus: Der Hauptdarsteller steht an einem diesigen, grauen Novembertag im Freibad auf dem Sprungbrett, und an den Bäumen auf der Liegewiese hängen nur noch ein paar welke gelbe Blätter. Erst neulich sah ich wieder eine sommerliche Gartenparty, auf der sich Menschen in kurzen Hosen und T-Shirts tummelten, die Bratwurst auf dem Grill brutzelte, die Bäume und Hecken aber völlig kahl waren. Ich frage mich dann immer, ob der Regisseur oder der Produzent (oder wer immer das verantwortet) denkt, der Zuschauer würde es nicht merken, solange von den Schauspielern niemand sichtbar zittert oder eine Frost-Fahne hat. Ich muss diese Illusion zerstören: Er merkt es, und schlimmer noch: Dem ganzen filmischen Produkt fehlt am Ende auch komplett das gewünschte Sommerfeeling. „Wie will sie denn von hier aus die Brücke zu Corona schlagen?“, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Nun, seit Montag fühle ich mich genauso wie der Protagonist in einer solchen Sommer-Herbst-Kommutation: Ich spiele Tennis in eiskalten Morgenstunden, mit Skiunterwäsche am Leib, finde in dem gelben Laub die gelben Bälle nicht, sah auf dem Nachbarplatz sogar schon Schläger in behandschuhtem Griff, und obwohl ich diesen Sport liebe, denke ich die ganze Zeit: „Das ist nicht richtig.“ Dabei haben wir hier in Nordrhein-Westfalen noch Glück, denn hier ist das Tennisspiel noch erlaubt, draußen zumindest und im Einzel. Die Hallen, in die die Anhänger des weißen Individualsports in der Regel aus gutem Grund so Anfang, Mitte Oktober einziehen, aber bleiben verschlossen, und ein Doppel ist auch tabu, selbst mit Personen aus demselben Haushalt. Statt nach New York oder Montevideo wünscht man sich in diesen reduzierten Zeiten daher manchmal schon an Orte, von denen man sich sonst eher gezielt entfernt: In Baden-Württemberg zum Beispiel darf man alles, auch Halle und Doppel. Aber ich will nicht meckern. In Hessen ist Tennis komplett untersagt. (Gut, dass ich das den Hessen nicht erklären muss.) Aber jedes Mal, wenn ich in meiner langen Unterhose wieder schwitzend in der kalten Luft stehe und die vielen anderen auf der Anlage betrachte, die Zeit haben, tagsüber zu spielen, frage ich mich, ob man in Hessen nicht doch über tieferes Wissen verfügt. Denn jenem Vergleich zufolge, der im Hinblick auf die Folgen des Infektionsgeschehens derzeit so oft und gerne angestellt wird, stellt ja die Grippe für uns Senioren auch eine recht ernst zu nehmende Gefahr dar.

Hier dreht das ZDF demnächst eine richtig schöne Sommerserie.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s