My little Corona Diary, Band 2, Tag 8

Montag, 9. November 2020

Falls Sie es nicht selbst gespürt haben sollten: Heute war „Der Tag der Hoffnung“. So jedenfalls titelte am Morgen „Bild Online“ anlässlich der Pressekonferenz, auf der führende Experten und Infektionsschützer schon einmal den Plan zur Verteilung dieses Impfstoffes, den es noch nicht gibt, vorgestellt haben. Doch auch jenseits des Top-Themas wurden Freunde des pandemischen Boulevard-Berichts heute Morgen überreich beschenkt: „China behauptet: Deutsche Schweinshaxe löst Corona aus“, und: „Heino fragt, Spahn antwortet: Wie wollen Sie Risikogruppen schützen?“, lauteten zeitgleich weitere Schlagzeilen auf der erwähnten Online-Präsenz. Herrlich! Aber an mich ist so viel Kreativität und journalistische Gestaltungskraft komplett verschenkt. Denn ich lese schon seit Monaten keine Corona-Berichterstattung mehr, auch nicht im „Spiegel“ oder im hiesigen Lokalanzeiger. An der televisionären Aufbereitung des Seuchenthemas bin ich selbstredend ebenfalls in keinster Weise interessiert. Nach dem „Tatort“ am Sonntag schalte ich um, ehe Anne Will (die es für meinen Geschmack mit dem Botoxen in der letzten Zeit ein bisschen übertreibt) auch nur „Karl Lauterbach“ sagen kann. Das hat nichts mit Ignoranz zu tun. Es ist nur so, dass die große, gähnende Langeweile, die (zumindest für alle Gesunden) mit Corona einhergeht, auch auf Corona selbst zurückwirkt. Es ist einfach nicht mehr neu genug, und über Monate hinweg das Interesse an einem einzigen Thema aufrechtzuerhalten, schaffen – Heino hin, Schweinshaxe her – selbst die Besten nicht. Das Einzige, was mich im Zusammenhang mit Qualitätsjournalismus und Corona tatsächlich noch brennend interessieren würde, ist, warum „Bild Online“ für das Corporate Design seines alltäglichen Pandemie-Blocks ausgerechnet Gelb und Schwarz gewählt hat, also die Farben des BVB? Gibt es da gewisse unterschwellige Animositäten? Wenn hier endlich jemand mal die wahren Hintergründe aufdecken würde, bestünde vielleicht noch eine Chance, mich als Leserin zurückzugewinnen. Bis es so weit ist, stelle ich mich meinen eigenen bohrenden Fragen und Widersprüchen: Wenn ich selbst nichts mehr über Corona lesen mag, wieso denke ich dann eigentlich, dass es dem möglichen Leser hier anders geht?

Die Bilder hier werden auch immer schlechter.

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