My little Corona Diary, Band 2, Tag 29

Montag, 30. November

„Corona-Pandemie“ ist das Wort des Jahres. Diese Wahl hat wohl niemanden überrascht, anders als das letztjährige Wort „Respektrente“, das ich am Tag seiner Verkündung tatsächlich zum allerersten Mal hörte und das mir heute schon wieder völlig unbekannt vorkam. Nun kann man natürlich darüber streiten, ob „Corona-Pandemie“ nicht eigentlich zwei Wörter sind und ob nicht allein „Corona“ die Corona gebührt. Aber ansonsten ist der erste Platz so wenig originell besetzt, dass es einer einfachen bösen alten Frau, die auf keinerlei Fachexpertise zurückgreifen kann, schon am 29. März dieses Jahres gelungen ist, diese Wort-Wahl vorherzusagen. Ich bin natürlich ein bisschen beleidigt, dass es mein damaliger Vorschlag nicht in die Top Ten geschafft hat. Dabei ist sonst wirklich alles vertreten, was coronamäßig Rang und Namen hat: „Lockdown“ etwa (Platz 2) oder „systemrelevant“ (Platz 6). Ganze acht von zehn Begriffen stammen aus dem Wirkungskreis der Seuche. Wenn man es ganz genau nimmt – und das sollte man auf dem Feld der Sprache ja –, habe ich einen davon allerdings auch noch nie gehört: „Verschwörungserzählung“. Wohl las ich häufig „Verschwörungstheorie“, und auch „Querdenker“ ist mir medial manches Mal begegnet, aber „Verschwörungserzählung“, nein, so poetisch ging es dort nicht zu, wo ich mich aufhielt. Aber deshalb ist es wohl auch die Gesellschaft für deutsche Sprache, die das Wort, des Jahres ermittelt und nicht der googlesche Algorithmus. Der liefert übrigens folgende Ergebnisse (und bestätigt das Urteil der germanistischen Expertengremiums ansonsten weitgehend, stützt aber auch meine Einwände gegen einzelne Entscheidungen):

Verschwörungserzählung: „Ungefähr 66.400 Ergebnisse“

Verschwörungstheorie: „Ungefähr 795.000 Ergebnisse“

Corona:  „Ungefähr 1.450.000.000 Ergebnisse“

Corona-Pandemie: „Ungefähr 146.000.000 Ergebnisse“

Vor lauter Corona vergessen werden dürfen jedoch keinesfalls die beiden Ausreißer-Begriffe: „Black lives matter“ (Platz 4) und „Gendersternchen“ (Platz 9). Gerade das letzte Wort ist meines Erachtens der Überraschungssieger des Jahres. Denn ich weiß nicht, ob es dieses schöne Wort in einem Jahr mit mehr Ereignissen ebenfalls in die Top Ten geschafft hätte. So aber rangiert der Gender-Star damit gleichzeitig auch ganz weit vorne im Gesamtklassement all jener, die in puncto unverdiente mediale Aufmerksamkeit von diesen wahnsinnigen Zeiten in besonderem Maße profitieren. Hier landet das kleine Sternchen sogar auf Platz zwei, gleich hinter Karl Lauterbach. Und auch angesichts dessen bleibt mir für heute nichts weiter mehr, als mit Platz zehn zu schließen: Bleiben wenigstens Sie gesund!

Ein paar herren-, pardon, damenlose Gendersternchen heischen nach Aufmerksamkeit.

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