My little Corona Diary, Band 2, Tag 81

Montag, 25. Januar 2021

Gegen Berichte über Corona bin ich nach fast einem Jahr eigentlich weitgehend immun. Das meiste lese ich nicht mehr (richtig), und wann immer ich im TV auf eine der unverändert zahlreichen Gesprächsrunden zum Thema stoße, schalte ich eiligst weiter. In der Folge verfüge ich über ein herrliches, absolut alltagstaugliches Halbwissen, das sich allein aus Schlagzeilen speist, die zu groß sind, um übersehen zu werden, und aus den Radionachrichten morgens im Bad, die so kurz sind, dass sich ein Wegschalten nicht lohnt. Dass ich so schlecht informiert bin, ist sicher der Grund dafür, dass mich die heutigen Meldungen so verwirrt haben. Ich hörte gleich nach dem Aufstehen, dass heute die Vergabe der Impftermine für über 80-Jährige in Nordrhein-Westfalen gestartet sei. Nachdem aber erst vor fünf Tagen zur gleichen frühen Morgenstunde vermeldet wurde, dass das NRW-Gesundheitsministerium einen Impfstopp u. a. für Krankenhäuser und Altenheime verhängt habe, frage ich mich nun: Werden jetzt die Alten in den Heimen nicht mehr geimpft, damit die Alten zu Hause gerettet werden können? Doch wie soll das überhaupt möglich sein, wo doch der Grund für besagten Impfstopp ist, dass es nicht genug Impfstoff gibt? Ich gebe zu, ich komme da nicht so richtig mit. Vor ein gewisses Rätsel stellt mich nämlich auch die Frage, ob man überhaupt noch einen Stopp verhängen kann, wenn etwas schon von selbst aufgehört hat. Oder anders: Wäre das Impfen womöglich weitergegangen, wenn das Gesundheitsministerium keinen Stopp verhängt hätte? Egal, ob die Antwort auf diese Frage Ja oder Nein lautet, sie ist kein Kompliment für die (vermeintlich) Handelnden. Aber so ist das bei Corona: Wie man es macht, macht man es falsch, da ist Salami natürlich die beste Taktik. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass es bei der Vergabe der Impftermine für die Ü-80-Jährigen in NRW besser läuft als im benachbarten RLP, wo die Anmeldung zur Impfung, begleitet von ähnlichem Medientamtam, schon am ersten Werktag dieses neuen Jahres gestartet ist. Als ich am zweiten Tag für meine leider nicht mehr mit unbegrenzter Lebenserwartung gesegneten Eltern die Impfung klarmachen wollte, musste ich feststellen, dass man im eigens dafür eingerichteten Online-Portal gar keine Termine bekommt, sondern Vorgangsnummern sowie den Hinweis: „Sobald wie möglich werden wir Ihre Anfrage bearbeiten und Ihnen einen Termin für die Impfung mitteilen.“ Schon zehn Tage später kam ein weiterer Bescheid für meine beiden Angehörigen der priorisiertesten aller „privaten“ Gruppen der Impfberechtigten: „Leider sind derzeit keine Termine in Ihrem Impfzentrum verfügbar, da alle Kontingente aktuell belegt sind. […] Bis eine Terminvereinbarung möglich ist, kann es zu längeren Wartezeiten kommen.“ Mir scheint, auch in den virtuellen Impfzentren geht es zu wie in der analogen Facharztpraxis: Zuerst sitzt man sehr lange im Wartezimmer, dann wird man in ein leeres Behandlungszimmer umgesetzt, wo man ungefähr noch einmal genauso lange warten muss, bis endlich der Arzt kommt. Nichtsdestotrotz soll in NRW, wie ich heute Morgen ebenfalls im Bad erfuhr, die Impfung der über 80-Jährigen im April abgeschlossen sein. Ich kann rechnen: Wenn allein das bis April dauert, dann wird es mit dem insgeheim bereits geplanten Sommerurlaub für meine Alterskohorte auf jeden Fall nichts. Es sei denn, ich kaufe mir doch etwas von diesem Impfstoff, der derzeit in Spam-Mails so zahlreich und problemlos erhältlich ist.

Der gute Stoff aus dem Darknet reicht für die ganze Familie.

3 Kommentare zu „My little Corona Diary, Band 2, Tag 81

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