My little Corona Diary, Band 2, Tag 136

Sonntag, 21. März

Wir drehen uns weiter im Kreis bzw. im Strudel der Seuche, und das, was gestern noch nach unten gezogen wurde, wird morgen schon wieder hochgespült. Lockdown, Lockerung, Lockdown, Lockerung, Lockdown. Kinder in die Schule, Kinder wieder nach Hause, Existenznot bei den Wirten und Hoteliers, Erleichterung bei den Friseuren, Tennis erlaubt, Sport verboten, Tennis wieder erlaubt. Seit einem Jahr strudeln immer wieder dieselben Themen vorbei, nach jeder Runde sehen sie ein bisschen strapazierter aus, aber irgendwie auch ein bisschen uninteressanter. Kurz, ich weiß gar nicht mehr, was ich noch schreiben soll, denn wir haben hier ja inzwischen nahezu alle Facetten des Lebens ohne Corona durchexerziert. Wie es mit Corona ist, das musste bisher ja Gott sei Dank noch nicht erörtert werden. Wie es aussieht, wird sich daran auch nichts ändern. Denn meine Impfung steht kurz bevor. Anfang der Woche jedenfalls rief mich eigens jemand im Auftrag des deutschen Gesundheitswesens an, um mir mitzuteilen, dass es trotz des ganzen Astra-Zeneca-Zirkus bei meinem Impftermin bleibe. Meinen Einwand, dass ich gar keinen Impftermin hätte, ließ der freundliche Callcenter-Agent nicht gelten. Stattdessen versicherte er mir, dass ich auf seiner an höherer Stelle geführten Liste der Anzurufenden stünde, dass ich in Bälde geimpft werde und dass man mir auf keinen Fall das böse Thrombose-Gift injizieren werde, sondern den guten Stoff von Biontech oder Moderna. Da der nette junge Mann sonst nichts weiter wollte, sondern tatsächlich nur anrief , um eine eventuell besorgte Bürgerin in der aktuellen Aufregung um die Vaccine zu beruhigen, gehe ich davon aus, dass es sich nicht um einen Telefonbetrüger handelte und dass ich tatsächlich auf der Liste der bedrohten Arten stehe. Ich weiß immer noch nicht, warum. Aber das großzügige Maskengeschenk der Bundesregierung hatte es neulich schon angedeutet. Und natürlich sage ich auch diesmal nicht nein. Denn die Impfung ist, so scheint´s mir, ja das Tor zur Freiheit, zur Sonne, zum Licht. Seither träume ich von Urlaub – und stoße in meinem Umfeld auf hässlichen Neid. Denn von Urlaub träumen natürlich alle, aber alle Nichtgeimpften und langfristig Terminlosen lehnen Vergünstigungen aufgrund des Impfstatus selbstverständlich strikt ab. Das kann ich verstehen, das ging mir vor einer Woche noch genauso. Eine ansonsten liebe Freundin, die sich im Leben auf eine Gehaltsstufe gearbeitet hat, auf der sie sich längere, weitere, teurere Reisen leisten kann als ich, machte auch jenseits dessen keinen Hehl daraus, dass sie sich von der spahnschen Impfreihenfolge ungerechtfertigterweise zurückgesetzt fühlt. Daraufhin entwickelte sie einen alternativen Impfplan, dem sich eine Politik, die die katastrophalen volkswirtschaftlichen Folgen von Corona wirklich abfedern möchte, eigentlich nicht verschließen kann. Es sei ja, so argumentiert sie in der glasklaren Logik des Kapitalismus, ökonomisch viel sinnvoller, zunächst alle Besserverdienenden zu impfen. Denn diese könnten frisch immunisiert in Innenstädten, Ladenzeilen und Reisebüros viel effektiver und umfassender Gutes tun als ich armer Schlucker.

Mit interessanten Tierversuchen stimme ich mich auf die kommenden Ereignisse ein.

2 Kommentare zu „My little Corona Diary, Band 2, Tag 136

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  1. Ich gönn` Dir Deinen Stoff!!! Und ich würde beide Arme hochkrempeln und auch Astra nehmen (ok, bei Sputnik würd ich vielleicht kurz zucken)! Ich bin kein Star, ich will hier raus!!!!!
    Das ALLERALLERALLERSCHLMMSTE: Für Livi ist das hier alles schon NORMAL :-((((((((((((((( Homeschooling, Masken, 24/7-Handydaddeln, kein Kino, keine Konzerte, keine Feten, keine Gleichaltrigen treffen…

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