My little Corona Diary, Band 2, Tag 146

Mittwoch, 31. März 2021

Wenn ich irgendetwas Positives an Corona entdecken kann, dann ist es mein Kontostand. Noch nie in den rund 25 Jahren geregelter Erwerbstätigkeit, die mein Leben nun schon kennt, hatte ich so viel Geld übrig wie derzeit. Denn das meiste, was es sonst kostet, ist ja gerade geschlossen und unerreichbar. Ohne Theater, Urlaub, Kino, Konzert, Wochenendtrip, Restaurantbesuch oder Real-Life-Shopping-Tour gibt man ja praktisch nichts mehr aus. Heute sind schon wieder 35 Euro in meinem Portemonnaie geblieben, denn beim Coiffeur wurde mir unerwarteterweise der Zutritt zum Salon verwehrt. Die hiesige Oberbürgermeisterin hatte über Nacht die Notbremse gezogen und damit schon vor der Zeit die Inanspruchnahme der so dringend notwendigen körpernahen Dienstleistung von einem negativen Corona-Test abhängig gemacht, und zwar von einem „richtigen“. Was aber ist der Mensch bereit, auf sich zu nehmen für einen feschen Kurzhaarschnitt oder ein paar neue Sneaker? Lässt er sich den Wattebausch bis weit in die Stirnhöhle schieben, nur um beim Mediamarkt weitere hochpreisige Elektrogräte im Ratenkaufverfahren an sich bringen zu können? Nun, was soll ich sagen: Die Stadt war voll, die Schlange vor der Apotheke mit dem weithin sichtbaren „Covid-19-Test ohne Termin“-Plakat knapp hundert Meter lang. Ob die Bremse irgendetwas stoppt, scheint insofern fraglich. Anders als im letzten Frühjahr ist von dem diesjährigen Lockdown im Straßenbild auf jeden Fall nichts zu bemerken. Von leer gefegten Innenstädten keine Spur. Im Gegenteil: Egal, wo man draußen hinkommt, es ist eigentlich überall rappelvoll. Nachmittags auf der Joggingstrecke am Rhein zum Beispiel ist bei dem Wetter ist kein Durchkommen. Das liegt daran, dass alle im Homeoffice sind. Andererseits ist ein bisschen rauszugehen auch alles, was einem noch bleibt dieser Tage. Freilich würde einem ein negativer Test vielleicht auch den Weg ins Museum o. ä. eröffnen, aber auch für edlere Ziele als den schieren Konsum scheint mir in meinem nun schon seit mehr als einem Jahr kultivierten Corona-Phlegma das Prozedere zu aufwendig, umständlich, anstrengend, die Sache also irgendwie die Test-Tortur nicht wert. (Ebenso wie die Politik und die Impfwissenschaft behalte ich es mir jedoch vor, meine Meinung jederzeit zu ändern.) Ich bleibe einfach weiter zu Hause und denke über die großen pandemischen Fragen nach, also erstens über den Lockdown und darüber, ob etwas existiert, was man nicht sehen kann, zweitens über das AstraZeneca-Paradoxon, also über die Frage, für wen am Ende gedacht ist, was zunächst auf keinen Fall Ältere, nun aber auch niemals Jüngere bekommen sollten, sowie drittens und schwerstens darüber, ob hü nicht eigentlich hott ist.

Der gute Vorsatz für morgen: Erst ins Testzentrum und dann ein neues Twinset kaufen.

2 Kommentare zu „My little Corona Diary, Band 2, Tag 146

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