My little Corona Diary: THE END (of Band 2)

Das letzte Kapitel in diesem kleinen Tagebuch sollte – natürlich – die Impfung sein. Die Storyline war klar: Ich wollte des Langen und Breiten und in allen Farben schildern, wie die kostbare, rettende Dosis meinen Arm erreichte, wie also die silbern blitzende Nadelspitze von einer weiß gewandeten Halbgöttin beherzt in kräftiges Muskelfleisch getrieben wurde und wie sodann alle Sorge, Not und Mühsal der letzten anderthalb Jahre plötzlich von mir abfielen wie die Ketten vom Herzen des eisernen Heinrichs.

„Heinerich, der Wagen bricht!“

„Nein, Herr, so war es nicht!“

„Nein?“

Nein, so war es leider überhaupt kein bisschen. Denn was als Höhepunkt der Ereignisse gedacht war, als unabdingbarer Triumph des Einzelnen über die todbringenden Kräfte der Krankheit, war realiter emotional kaum bewegender als ein Besuch in der Autowerkstatt. Vielleicht bin ich auch ein besonders abgestumpfter Charakter, aber eigentlich schiebe ich die Schuld in die Schuhe der Seuche und rufe: Ach, Corona und alles, was damit zusammenhängt, ist einfach eine einzige Enttäuschung!

Nichtsdestotrotz: Dank eines mir bis dato gänzlich unbekannten Professors in Frankfurt, der sich seinerseits auch kein bisschen für meine Bonner Erscheinung in seiner Sprechstunde interessierte, bin ich nun geimpft. Ganz legaler innerdeutscher Impftourismus, eingesprungen für eine mir ebenfalls völlig fremde Dame, die jemanden kannte, der jemanden kannte, der …

Meine Tasche wartet auf die Impfung.

Hätte ich gewusst, dass es nur zwei Wochen später auch in meiner Heimatstadt Impfstoff in Hülle und Fülle und in allen Sorten gibt, wäre ich nicht bis an den Main gereist. Nun aber steht in meinem kleinen gelben Impfpass „Janssen“, und wer sich ein bisschen in der Materie auskennt (und wer täte das nicht nach drei Semestern Immunologie im Fern(seh)studium), weiß, dass ich kein zweites Mal ins Hessenland muss. Denn der Künstlername von „Janssen“ ist ja „Johnson & Johnson“, und bei diesem Impfstoff reicht – anders als bei Corminaty und Vaxzevria – eine einmalige Gabe aus.

Das Schlechte ist: Jayjay hat nur eine Wirksamkeit von 65 Prozent.

Das Gute ist: Ich kann nun nebenwirkungsfrei in Urlaub fahren.

Das Schlechte ist: Das Urlaubsland war bis gestern Virusvariantengebiet.

Das Gute ist: „Janssen“ ist besonders wirksam gegen die Delta-Mutante.

Das Schlechte ist: Die Kreuzimpfung wäre noch besser.

Das Gute ist:  …

Ach, so kommen wir nicht weiter. Hauptsache geimpft, Hauptsache Urlaub. Und da! Ist das da am Horizont nicht auch schon eine kleine blassrosa Spur der Morgenröte jenes Tages, an dem wir uns endlich wieder ganz ohne Maske im geschlossenen öffentlichen Raum bewegen dürfen? Ach, wie schön wäre das! Gleich zwei schlagkräftige Indizien dafür, dass es mit Corona vielleicht wirklich langsam dem Ende zugeht, lieferte die Markus-Lanz-Forschung am Dienstag. Denn da wurde nicht nur zum ersten Mal seit 200 und mehr Sendungen den ganzen Abend kein einziges Wort über die Infektionslage verloren. Auch die Corona-Sitzordnung war im Studio bereits aufgehoben. Ganz eng standen die Sesselchen wieder nebeneinander. Noch irritiert dies das Auge. Aber ich bin sicher, dass ich mich an diese neue Normalität gewöhnen könnte.

Solche Bilder wollen wir nie wieder sehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s