My little Corona Diary: The return of the dark knight

Montag, 22. November 2022

Das „Corona Diary“ hier war, wenn ich das in aller Bescheidenheit einmal sagen darf, eine kleine Erfolgsgeschichte. Aber wegen mir hätte es trotzdem nicht sein müssen. Ich habe mir das nicht nur nicht gewünscht, sondern meinerseits auch alles Erforderliche dazu beigetragen, dass es nicht passiert. Aber der Verstand siegt ja nicht in diesen querdenkenden und -schießenden Zeiten. Und so ist sie nun da, die Notlage von nationaler Tragweite, und bedarf als solche natürlich wieder einer ordentlichen protokollarischen Begleitung. Daher öffne ich schweren Herzens das Tagebuch und greife lustlos zur Feder. Doch vor die schreibende Aufarbeitung der Krise hat die Autopsychologie das Gebot der Aufrichtigkeit gesetzt, also den Disclaimer: Daher zunächst der naheliegende Hinweis, dass es auch hier so wie bei den Fortsetzungen erfolgreicher Filme sein könnte, bei denen die zweiten und dritten Teile auch selten besser sind als der erste. Denn die Gefahren liegen ja in der Wiederholung. Andererseits: Jede Drehung zieht die Schraube an. Und es deutet sich jetzt schon an, dass im zweiten Corona-Winter die Zeiten des stillen, kuscheligen Lockdowns in verängstigter häuslicher Einsiedelei vorbei sind und es langsam ungemütlich wird. Ich denke zum Beispiel an die wochenendlichen Krawalle und Randale bei unseren sonst doch so friedlichen Benelux-Freunden, aber auch an die ungeimpften bayrischen Spitzenverdiener, denen der Arbeitgeber das Gehalt kürzt. Ich weiß nicht, ob das die jungen Anti-Helden wirklich beeindruckt oder gar trifft, aber eine böse alte Frau wie ich verspürt da schon ein wenig Schadenfreude. (Es gibt andere Fälle in diesem thematischen Zusammenhang, in denen sich Schadenfreude weiterhin strikt verbietet.) Überhaupt bin ich auch selbst ein bisschen auf Krawall gebürstet in diesen Tagen, in denen lange nicht gehörte, fast in Vergessenheit geratene Begriffe wie „Aerosole“ plötzlich wieder in aller Munde sind. Dass ich jedenfalls in einem anderen Leben möglicherweise auch zur engagierten Mitarbeiterin des Ordnungsamtes getaugt hätte, habe ich am Wochenende beim ersten Besuch des hiesigen Weihnachtsmarkts feststellen müssen. Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich die Weihnachtsmarktsaison liebe (auch hier war ja schon die Rede davon). Nach einem Jahr Abstinenz zog es mich in allergrößter Vorfreude, aber doch auch ahndungsvoll gleich an den ersten Tagen dahin, wo von einem warmen Glitzern umfangen das Glühwein-Herz schlägt. Aber der Zauber hat mich nicht ergriffen, im Gegenteil: Egal, wie lange die Buden noch geöffnet bleiben, mit mir und dem Weihnachtsmarkt wird es dieses Jahr nichts. Denn es war rappelvoll, es gab sichtbar keinerlei Kontrollen der versprochenen 2G-Beschränkung, und trotz wieder eingeführter Maskenpflicht in der Innenstadt waren so viele Mitbürger ohne Mund-Nase-Bedeckung unterwegs, dass ich irgendwann zu meinem eigenen Entsetzen dazu übergegangen bin, vorbeieilenden Delinquenten ein vorwurfsvolles „Maske!“ entgegenzuschnarren. Erschrocken zog ich mich bald darauf wieder nach Hause zurück. Und hier sitze ich nun und warte gespannt, was hoffentlich doch nicht passieren wird.

Ist es hier womöglich erstmals jemandem gelungen, die Zukunft zu fotografieren?

2 Kommentare zu „My little Corona Diary: The return of the dark knight

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