Adventskalender, 15. Dezember

An diesem Mittwoch öffne ich das Türchen mit billiger Effekthascherei und rufe laut: Achtung, heute geht es auf die Geisterbahn! Menschen mit schwachen Nerven klicken bitte weiter, zarte Gemüter schauen weg, und Schöngeister wenden sich mit Grausen. Für Gruftis und andere Freunde des Morbiden aber gilt: Hereinspaziert, hereinspaziert! Heute gibt es hier Totenköpfe und Leichenteile und anderes Schauriges mehr. Denn heute beschäftigen wir uns mit Reliquien, also mit Dingen, die untrennbar mit Heiligen verbunden sind bzw. in vielen Fällen ja eigentlich eher von ihnen (ab)getrennt wurden. Schließlich werden die wenigsten Heiligen unversehrt an einem Ort bzw. Stück verehrt. Die Gebeine des heilige Jakobus zum Beispiel, sollen zwar nach Stationen unter anderem in Verona, Toulouse und Padrón im spanischen Santiago des Compostela ihrer allerletzte Ruhe gefunden haben, aber der Kopf war auch mal alleine in einem Kloster in Frankreich, und noch heute gibt es einen Arm des ehemaligen Apostels und Märtyrers in Halberstadt und ein Schienbein in Rom. In Köln haben sie die heiligen drei Könige, in Prüm in der Eifel die Sandalen Jesus und im Rheingau irgendwo Herz und Zunge der heiligen Hildegard von Bingen, unverwest, versteht sich. So könnte man ewig weitermachen, doch es ist vermutlich auch jetzt schon klar: Ich kann mit Reliquien noch weniger anfangen als mit Heiligen. Die allgemein menschlichen Bedürfnisse, die sie befriedigen, sind mir offensichtlich völlig fremd. Aber ich erinnere mich noch gut, wie fasziniert ich war, als ich zum ersten Mal sah, in welcher Form viele Reliquien aufbewahrt und ausgestellt werden. Nach dem Foto davon habe ich lange gesucht – und dabei auch noch ein paar andere gefunden. Sie alle zeigen, auf welche seltsamen Dinge man stößt, wenn man bereit ist, nach der Besichtigung der Kirche auch noch zwei, drei Euro auszugeben, um einen Blick in die Sakristei oder auf den Kirchenschatz werfen zu dürfen.

In diesem Fall ist die Heiligenfigur gleichzeitig ein Reliqiuar.
Entblößt wird hier das Fenster zur Reliquie.

Zwei Arten, um einen Unterarmknochen zu präsentieren. Von wem er jeweils stammte, weiß ich nicht mehr, und ob sie auch echt sind, spielt sowieso keine Rolle.

In der Kathedrale von Mallorca kam ich das erste Mal in Berührung mit dieser Sorte sakraler Gerätschaft.
In der Kathedrale von Valencia gibt es gleich einen ganzen Arm zu sehen.
An diesem hier ist rundum alles gruselig.
So, ganz ohne Knöchelchen und Knochen, sind mir Reliquiare eigentlich am liebsten.

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