Adventskalender, 16. Dezember

Die meisten Heiligen, die bisher einen Auftritt in diesem Kalender hatten, stammten aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung oder aus anderen grauen Vorzeiten. Da hat man angesichts der ganzen schrägen Geschichten und Legenden, die rund um die vielen gewirkten Wunder kursieren, gut lachen. Und das scheint mir auch durchaus erlaubt zu sein. Denn ich las einmal, dass diese Geschichten auch eine Unterhaltungsfunktion hatten in Zeiten, in denen das Volk medial praktisch noch völlig unterversorgt war. Die Legendensammlung als Netflix-Pendant sozusagen. Doch auch in unserer Gegenwart kommen jährlich neue Heilige hinzu. Papst Johannes Paul II. zum Beispiel hat in seiner Amtszeit allein knapp 500 Menschen heilig gesprochen. Einen davon sehen wir heute: Padre Pio. Der 1968 verstorbene und 2002 kanonisierte Kapuzinermönch ist der populärste Heilige Italiens und hat durchaus auch in Deutschland seine Anhänger. Auch um ihn ranken sich kuriose Geschichten, denn wer heilig werden will, der braucht ja auch ein Wunder oder zwei. Die aber klingen für den inzwischen aufgeklärten Menschen doch auch sehr nach Hokuspokus, und ich kann gut verstehen, dass es solche Geschichten sind, die manchem die katholische Kirche suspekt machen. Dass man den armen Mann 40 Jahre nach seinem Tod, also 2008, wieder ausgegraben hat und seitdem in einem gläsernen Schrein als Reliquie an dem ihm geweihten Wallfahrtsort ausstellt, macht die Sache nicht besser. Als dieses Foto entstand, hatte ich von all dem noch nichts gehört. Ich habe den Mönch vor allem fotografiert, weil er mich an Sean Connery in „Der Name der Rose“ erinnerte (oder wahlweise auch an den deutschen Schauspieler Walter Kreye). Was man hier aber auch sieht: Bei der Darstellung der Heiligen der Generation 2.0 leidet die Freiheit der Kunst. Wo es Fotos gibt, kann man seine Figur nicht einfach mehr mit den jeweils typischen Attributen ausstatten und ihr ansonsten ein Phantasie-Antlitz verleihen.

Die Blumen im Vordergrund waren gehäkelt!

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