Adventskalender, 17. Dezember

Beim Öffnen des heutigen Türchens rieselt Asche auf mein Haupt. Denn zwar gehört auch meine böse alte Stimme zu jenen, die die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche und die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern fordern, ich selbst kann aber leider die entsprechenden Posten hier in diesem Kalender auch nicht paritätisch besetzen. Ehrlich gesagt: Die Frauenquote hier ist ganz erbärmlich. Nicht eine einzige Barbara, Katharina, Elisabeth, Hildegard oder Theresa findet sich in meiner Sammlung. Was ist der Grund dafür? Waren sie nicht da, oder habe ich sie nicht beachtet? Im Nachhinein ist das schwer zu explorieren. In jedem Fall liegt es nicht daran, dass es keine weiblichen Heiligen gäbe. Wie viele es im Verhältnis zu den männlichen insgesamt sind, war bedauerlicherweise nicht zu ermitteln. Ich kann aber exemplarisch mit einer Untersuchung zu den Heiligenfiguren im Wiener Stephansdom aufwarten, die ergeben hat, dass etwa ein Viertel davon weiblich ist. Eine ähnliche Quote findet sich unter den 14 Nothelfern: Drei davon sind Frauen. Hier sieht es also schon einmal deutlich besser aus als im Priesterseminar. Auszusetzen habe ich an der Heiligenpolitik des Vatikans natürlich trotzdem etwas. Denn schaut man sich einmal genauer an, welche Frauen in den himmlischen Adelsstand erhoben wurden, dann spielt da allüberall die Jungfräulichkeit der Kandidatinnen aich schon wieder eine entscheidende Rolle. Sie scheint sozusagen zentrale Einstellungsvoraussetzung zu sein. Während über die Häufigkeit des vollzogenen Geschlechtsverkehrs bei männlichen Heiligen in der Regel die Legende nicht berichtet, wird in den Geschichten der weiblichen Aspiranten deren Keuschheit fast immer als wichtiges Merkmal, ja geradezu bereits als Beweis ihrer Heiligkeit hervorgehoben. Entsprechend hoch ist natürlich der Anteil (keuscher) Nonnen und Ordensgründerinnen unter den heilig gesprochenen Frauen. Außer ihnen haben sonst vor allem Märtyrerinnen gute Chancen. Bei manchen von diesen aber wird ihre Jungfräulichkeit bzw. der Wunsch, sie zu verteidigen, erst zum Anlass ihres schlimmen Geschicks. Man denke etwa an die heilige Ursula und ihre 11.000 (!) Jungfrauen. Eine erfrischende Ausnahme in diesem ganzen Jungfrauen-Kult bildet Maria Magdalena („your a creature oft the night“). Daher gibt es heute ein Bild, auf dem neben anderen Frauen auch sie zu sehen ist. Was mir hier zusätzlich gefallen hat, ist, dass zwei der Frauen deutlich sichtbare Brüste haben. In den typischen wallenden Gewändern der meisten anderen Darstellungen sind diese ja in der Regel nicht einmal mehr zu erahnen.

Was wir hier sehen, ist eine Beweinungsszene, zu deren typischem Personal neben der Jesus‘ Mutter auch die heilige Maria Magdalena gehört. Ich weiß nicht, welche der Damen es sein soll, tippe aber auf die ganz links.

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