Adventskalender, 18. Dezember

Es war im letztjährigen Adventskalender schon zu lesen: Mein Lieblingsheiliger in der Kunst ist der heilige Hieronymus. Den kenne ich schon länger, denn man trifft ihn eigentlich in fast jedem Museum, das Gemälde alter Meister vorrätig hat. Leonardo da Vinci und Dürer, Cranach und Caravaggio, Rubens und van Eyck: Alle Großen haben den frühchristlichen Kirchenvater auf Leinwand festgehalten. Und wollte mir jemand zu Weihnachten eine Freude machen, so schenkte er mir ein 1000-Teile-Puzzle mit Dürers „Hieronymus im Gehäus“. Natürlich darf Sankt Hieronymus deshalb auch in diesem Kalender nicht fehlen, das aber auch noch aus zwei mir bis dato völlig neuen Gründen. Zum einen passt er allerbestens in den Advent, denn wo Jesus geboren wurde, da ist, wie ich just vor einer halben Stunde erfuhr, Hieronymus 420 Jahre später gestorben: in Bethlehem. Sein Grab befindet sich daher auch in der Krypta der Geburtskirche in Bethlehem. Seine Gebeine jedoch ruhen in Santa Maria Maggiore in Rom – wo zugleich auch Bretter der Krippe Jesu aus Betlehem als Reliquien verehrt werden. Schöne Koinzidenz oder Absicht? Ich weiß es nicht. Und was ich bislang auch nicht wusste, was mich aufgrund der bereits vorhandenen Grundsympathie aber umso mehr freut, ist, dass ausgerechnet Hieronymus auch der Heilige ist, der für mich bzw. meine Berufsgruppe zuständig ist. Nun, ich hätte es wahrlich schlechter treffen können. Denn Hieronymus war nicht nur ein äußerst gelehrsamer Mann und derjenige, der die erste Bibelübersetzung ins Lateinische vornahm, dem wir also – Kreuzworträtselwissen ahoi – die „Vulgata“ verdanken. Es gibt im Zusammenhang mit seiner Person auch keinerlei Räuberpistolen und implausible Wundergeschichten. Das erleichtert unsere neue Beziehung natürlich ungemein. Auch ist Hieronymus‘ Zuständigkeitsgebiet nicht so völlig der Willkür erwachsen, wie es bei anderen Heiligen oft der Fall ist. Denn die Zuordnung von Schutzpatron zu Sachgebiet ist doch manchmal etwas plump und vordergründig. Die heilige Klara zum Beispiel hatte Visionen und konnte weit entfernte Dinge sehen, weshalb sie von Papst Pius XII. 1958 auch zur Patronin des Fernsehens ernannt wurde. Oder der heilige Sebastian: „Sein Aussehen nach der Marter mit so vielen Pfeilen machte“ ihn „zum Patron der Bürstenmacher.“ Freunde, wirklich? Hieronymus hingegen ist lediglich und völlig passenderweise der Schutzheilige der Schüler, Studenten, Lehrer, Gelehrten, wissenschaftlichen Vereinigungen, Bibelgesellschaften, Theologen, Übersetzer und Korrektoren.

Das Hündchen ist ein Löwe, denn der war sozusagen das Haustier des heiligen Hieronymus. Es lohnt sich immer mal zu schauen, wie sich die alten Meister dieses exotische Geschöpf so vorgestellt haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s