Adventskalender, 19. Dezember

Wenn Schönheit im Auge des Betrachters liegt, so tut es Scheußlichkeit ganz sicher auch. Aber gibt es Dinge, die so unbestreitbar scheußlich sind, dass sich niemand, wirklich gar niemand mehr findet, dem sie noch gefallen? Wie gerne würde ich sagen: Ja, gibt es, und hier sind die zwei Beweise dafür. Doch ich fürchte ähnlich wie bei den anderen Schrecklichkeiten der vergangenen Tage, wird auch die heutigen irgendjemand auf dieser Welt mit anderen Augen sehen als ich. Denn irgendjemand hat sie ja in Auftrag gegeben, angefertigt, aufgestellt –  und bis heute nicht wieder von ihrem Platz in der Mitte der Gemeinde entfernt. Nichtsdestotrotz sind dies heute die scheußlichsten Figuren, die ich in meiner Sammlung finden konnte.

Wenn sich der erste Schreck gelegt hat, muss man natürlich auch einmal kurz nach den Bedingungen von Scheußlichkeit fragen. Wie kommen diese Dinge in die Welt und zu welchem Zweck? Das weiß ich natürlich auch nicht genau, aber ich würde vermuten, dass es sich mit dem religiösen Kitsch ganz ähnlich verhält wie mit Kitsch allgemein, der ja erst im 19. Jahrhundert aufkam und dessen Entstehung auch mit den veränderten Produktionsbedingungen und den Möglichkeiten der industriellen Massenanfertigung zu tun hatte. Wo mittelalterliche, von Meisterhand geschnitzte Holzfiguren eben noch von dieser Meisterschaft zeugen und mit ihrer ästhetischen Schönheit auch inhaltlich Schönes und Größeres adäquat zum Ausdruck bringen können, nähert sich mit den ganzen späteren Gipsfiguren das Heilige dann immer mehr dem Profanen. Damit taugt es aber auch inhaltlich nurmehr zum Vehikel für emotionalen Kitsch, für Wirklichkeitsflucht, falsche Geborgenheit und billigen Trost, die ja auch immer um die Ecke lauern, wenn es um die religiöse Ansprache des Volkes mit einfachen Mitteln geht. Wenn dann die Gesichter noch aussehen wie von zeitgenössischen Puppen, bin ich auch nicht mehr bereit, nicht über Geschmack zu streiten.

PS: Drei ganz schlimme Beispiele dafür, was passiert wenn man religiösen Inhalten ein zeitgenössisches Gesicht verleihen möchte, sah ich im Sommer in Italien, und dies nicht im Hauptquartier irgendeiner neochristlichen Fantasy-Sekte, sondern in der Seitenkapelle einer großen italienischen Wallfahrtskirche.

Hier fehlt meines Erachtens die letzte Konsequenz, oder warum hat man das Outfit nicht upgedatet?

Ich weiß nicht, ob dieser Weg die heilige Mutter Kirche wirklich in die Zukunft führt.

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