Adventskalender, 21. Dezember

Eigentlich wollte ich hier heute wieder ein paar schöne abgeschlagene Köpfe präsentieren. Doch die Realität hat meine Pläne durchkreuzt. Die Idee war, nach den ganzen ikonographischen Ausflügen nach Portugal, Italien und Spanien einmal zu schauen, was vor der eigenen Haustür an sakralen Stilblüten eigentlich so wächst. Denn hier in Bonn haben wir als Stadtheilige ja zwei lupenreine Märtyrer aus dem dritten Jahrhundert, Cassius und Florentius geheißen. Nach diesen beiden wollte ich heute einmal schauen. Die beiden riesigen behelmten Köpfe aus grauem Granit, die deshalb vor dem Bonner Münster herumliegen, sollten zugleich ein wenig Abwechslung in das ewige Einerlei bunter, kitschiger Statuen bringen. Allein: Am Morgen fand ich die beiden Legionäre bzw. ihre Häupter in großen hölzernen Schreinen den Blicken entzogen vor. Bauarbeiten! Wer die pointierte Auseinandersetzung, die der deutsch-türkische Künstler Iskender Yediler mit dem Thema Märtyrertum geführt hat, sehen möchte, muss nun leider googeln. Ich habe nur dies:

Das Bonner Münster, so las ich heute, diente Anfang des 20. Jahrhundert als Vorbild für die Berliner Gedächtniskirche. Anfang des 21. Jahrhunderts ging der Transfer dann leider in die andere Richtung.

Aber wo ich schon einmal da war, habe ich auch unserer Hauptkirche einen kurzen Besuch abgestattet, und siehe da: Ich wurde überreich beschenkt. Denn zum einen stieß ich auf dort auf eine Heilige, an der ich in Unkenntnis der Person schon viele Male achtlos vorübergegangen war, die sich heute aber als meine Zweitnamenspatronin entpuppte: die heilige Helena:

Mir war sie bisher zu monochrom, zu schwer, zu schleppend: Die heilige Helena soll der Legende zufolge um 325 n. Chr. nach Palästina gereist, dort archäologische Grabungen veranlasst und so das Kreuz Christi entdeckt haben. (Ihr Kopf ist als Reliquie im Dom von Trier zu finden.)

Größer, schöner und bedeutender aber war eine andere Entdeckung, die ich am heutigen Tag im Bonner Münster gemacht habe. Denn ich habe dort nicht weniger gesehen als eine taugliche Zukunft für die ganze Kunstform „Heiligenfigur“.

So könnte es doch wirklich gehen.
Noch so ein Säulenheiliger: Anlässlich der Wiedereröffnung des Bonner Münsters nach der Renovierung sind dort derzeit unter anderem Kunstwerke des britschen Bildhauers Tony Cragg zu sehen.

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