Adventskalender, 22. Dezember

Der Adventskalender ist inzwischen ziemlich geplündert. Die meisten Türchen stehen offen, und wir haben viele seltsame Heilige gesehen. Eine zentrale Frage ist allerdings noch immer ungeklärt, nämlich wie aus einem Normalsterblichen eigentlich ein Heiliger wird. Dass das noch nicht erörtert wurde, hat auch damit zu tun, dass ich als Laienschwester vor der Schwere des Gegenstands und der vermuteten komplexen theologischen Implikationen doch ein wenig zurückgeschreckt bin. Nun habe ich aber ein bisschen gegoogelt, und was soll ich sagen: So schwer isses eigentlich gar nicht! Die Wikipedia braucht gerade mal zwei Sätze, um die Sache zu erklären: „Voraussetzung [für die Heiligsprechung] sind entweder das Erleiden des Martyriums oder der Nachweis eines heroischen Tugendgrads des Betreffenden. Bei Kandidaten, die keine Märtyrer waren, wird zudem der Nachweis eines Wunders gefordert.“ Drei Wege also führen auf die Seitenaltäre: Martyrium, Tugendgrad (= bei Frauen meist diese Jungfrauen-Sache) oder Wunder. Nun, Wunder gibt es immer wieder. Aber wenn man so wie ich nicht so richtig weiß, wofür Heilige überhaupt gut sein sollen (denn das ist ja nicht selbsterklärend), zweifelt man natürlich auch daran, ob man die beiden anderen Wege wirklich propagieren sollte. Ich jedenfalls würde jedem dringend davon abraten, sich wegen seiner Religion oder Konfession von Andersgläubigen oder sonst wie motivierten Mordlustigen umbringen zu lassen. Wenn ich es richtig sehe, war selbst Petrus nicht bereit dazu und hörte lieber den Hahn dreimal krähen. Und? Wird der nicht heute trotzdem als Heiliger verehrt? Neben Martyrium, Tugendgrad und Wunder ist zudem auch einiger bürokratischer Aufwand erforderlich, um aus einem Verstorbenen, für den gebetet wird, jemanden zu machen, zu dem gebetet wird. Und wo Bürokratie ist, sind Gebühren meist nicht weit. Auch deshalb würde ich von entsprechenden Anträgen dringend abraten. Die allwissende, konfessionslose (?) Wikipedia jedenfalls notiert: „ Die Kosten für das Verfahren müssen von den Antragstellern […] aufgebracht werden. Schätzungen zufolge muss hierfür ein Betrag von mindestens 50.000 Euro angesetzt werden, der sich aus Gebühren und Taxen bei der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Honoraren für (z. B. medizinische) Gutachter […], Kostenersatz für Zeugen, Erstellung der Dokumentation, Übersetzungsarbeiten, Druckkosten, Dekoration während der Feierlichkeiten etc. ergibt.“ Und: „Im Jahr 1997 wurden etwa 1500 Selig- und Heiligsprechungsverfahren bearbeitet, wobei pro Verfahren etwa 250.000 Euro an Kosten anfielen.“ Ob sich diese Ausgaben lohnen, solange nicht eindeutig geklärt ist, wem der Return on Investment zugutekommt bzw. worin er eigentlich besteht, ist eine Frage, die klären zu können ich mir nicht anmaße. Von Wirtschaftswissenschaften verstehe ich schließlich ebenso wenig wie von Theologie. Vielleicht schauen wir uns deshalb hier besser einfach noch einen weiteren bunten Gesellen an, der das ganze Verfahren schon hinter sich hat.

Vielleicht ist es der heilige Benedikt, vielleicht der heilige Onuphrius, Münchens erster Stadtpatron, auf dessen Namen heute vermutlich keine Kinder mehr getauft werden.

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