Adventskalender, 24. Dezember

Vier Wochen lang waren wir auf dem Weg. Nun sind wir am Ziel angekommen: an der Krippe. Damit ist quasi der Höhepunkt erreicht, auch in Bezug auf unser Thema: Denn im Stall von Bethlehem finden wir gleich fünf Heilige (und einen Gott). Das Problem ist nur: Krippen habe ich eigentlich keine in meiner Sammlung, obwohl bzw. vermutlich weil ich Krippen liebe. Zum einen gehören die Krippen in den verschiedenen Kirchen und Häusern meiner Kindheit zu den Erinnerungen an Weihnachtsfeste, wie es mir heute nicht mehr gelingt sie zu feiern oder zu fühlen. Darüber hinaus mochte ich Krippen aber auch immer schon, weil es so viel zu sehen gab. Oft waren es ja beachtliche Tableaus, die sich da unter den Weihnachtsbäumen der Verwandtschaft entfalteten. Diese pastoralen Szenerien aber waren noch gar nichts gegen die riesige neapolitanische Krippe, die ich vor ein paar Jahren in einer Ausstellung in Köln gesehen habe. Doch es geht, wie ich heute Mittag las, noch größer, schöner, bunter, mehr. Im Krippenmuseum in Brixen gibt es etwa eine sogenannte „Jahreskrippe“ mit 5.000 Figuren und über 50 Szenen, die nicht nur die Weihnachtsgeschichte ins Bild setzen, sondern die halbe Bibel bzw. das ganze Kirchenjahr. Dazu gehören auch Szenen, die Opfer und Feste des Judentums darstellen, wie zum Beispiel das Sabbat-Gebet in der Synagoge oder das Schlachten der Passah-Lämmer. Aber auch eine sogenannte „Fastenkrippe“ ist dort zu sehen. Diese erzählt statt von Weihnachten von Ostern. Wenn man Spaß an solchen Sachen hat, lohnt es sich, sich im Internet mal die Bilder dazu anzuschauen. (Wenn es das nächste Mal gen Italien geht, weiß ich jedenfalls, wo der Zwischenstopp gemacht wird.) Überhaupt ist Südtirol die allererste Adresse, wenn es um Krippen geht. Denn in Südtirol hat das Schnitzerhandwerk eine große Tradition, und die schönsten Krippenfiguren kommen von dort. Auch die Figuren, die es im Haus meiner Eltern gibt, sind aus Südtirol. Ich habe die Belegschaft für diesen Kalender einmal in etwas anderem Ambiente posieren lassen:

Auch beim Krippenpersonal ist es meiner Beobachtung nach also so, wie wir es bei den Heiligen hier schon öfter gesehen haben: Das Schöne ist geschnitzt, das Kitschige aus Gips gegossen. Ein Beispiel für Letzteres habe im Sommer im italienischen Loreto im Bild festgehalten. Dort gab es tatsächlich gleich mehrere Krippengeschäfte, und eines hatte dieses Angebot im Schaufenster:

Krippen waren in ihren mittelalterlichen Anfangszeiten, wie ich las, eine Art Lehrmittel, um dem Volk, das noch nicht lesen und schreiben konnte, gewisse Zusammenhänge anschaulich zu machen. Diesen Zweck zumindest erfüllt auch diese Krippe noch.
1.200 Euro für diesen Josef? Also ich weiß nicht.

Damit haben wir nun doch irgendwie noch die Kurve gekriegt zum Schaurig-Schönen, um das es in diesem Kalender ja gehen sollte. Ich weiß nicht, wie viele den Weg bis hierhin mitgegangen sind, aber Ihnen allen wünsche ich:

Frohe Weihnachten!

2 Kommentare zu „Adventskalender, 24. Dezember

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