Adventskalender, Montag, 5. Dezember

Werbung, Graffiti und Verkehrs- und Hinweisschilder verschiedenster Art – unter diesen drei Haupterscheinungsformen von Schrift im öffentlichen Raum ist letztere sicher die beliebteste. Denn Hinweisschilder weisen uns den Weg zum Ziel, machen uns auf Wichtiges aufmerksam oder liefern Anhaltspunkte für erwünschtes Verhalten. Sie bieten uns also Orientierung in jedweder Hinsicht, führen uns mithin ganzheitlich zurück auf den richtigen Weg. Gerade die Bedeutung von Straßenschildern schwindet jedoch, seit mehr und mehr Menschen bereit sind, Navigationsgeräten und anderen elektronischen Hilfsmitteln mehr zu glauben als den eigenen Augen. Was diese Schilder aber an Aufmerksamkeit in geografischem Sinne einbüßen, scheinen sie an politischer zu gewinnen. Denn Straßenschilder heute sind auch moralische Orientierungspfosten am Scheideweg von Gut und Böse, links und rechts. Die Frage ist quasi immer weniger, wo eine Straße ist bzw. wohin sie führt, sondern wofür sie steht. Angesichts dieser gesamtgesellschaftlichen Entwicklung ist es kein Wunder, dass auch die Straße, in der ich wohne, vor nicht allzu langer Zeit diesbezüglich befragt wurde. Denn es ist die – Achtung, Achtung – Adolfstraße. Mehr als 75 Jahre lang ist niemand ernsthaft auf die Idee gekommen, sie könnte wirklich den Namen des Mannes tragen, für den ich keine Synonyme finden möchte. Aber nun hat der Verdacht über dieses Grundvertrauen gesiegt, und es war offensichtlich erforderlich, dies auch nachzuweisen und sich dahin gehend abzusichern. So wurde das Hinweisschild vor gut einem Jahr seinerseits mit einem Hinweisschild versehen, auf dass hier niemand in die Irre geht. Lieber noch als das aktuelle hätte ich deshalb das alte Straßenschild hier gezeigt, das ich eigentlich auch immer mal fotografieren wollte. Damit das jetzt aber niemand wieder falsch versteht, erkläre ich ebenso explizit wie entschieden: Wir Bewohner der Adolfstraße (auch die von Haus Nummer 33 und 89) stehen geschlossen hinter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

"Gott sei Dank durch alle Welt": Es ist der gute Adolf, nicht der andere.

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