Adventskalender, Mittwoch, 7. Dezember

Da, wo geschrieben wird, ist ein ander Ding meist auch nicht weit: der Fehler. Das ist im öffentlichen Raum nicht anders als in der Grundschule. Den Fehler aber wieder aus der Welt zu schaffen, gestaltet sich dort ungleich schwerer. Denn meist ist die Schrift in eine Form gegossen, die keine Korrektur mehr erlaubt. Ein schönes Beispiel dafür begegnete mir vor Jahren in Form eines Tattoos auf dem Unterarm einer Dame, die körpernahe Dienstleistungen an mir erbrachte. Zahlreiche farbenfrohe Gravuren zierten ihre Extensorenmuskulatur, darunter auch ein in altmodisch ziselierter Schrift gestalteter Satz, der sowohl einen Komma- als auch einen Rechtschreibfehler enthielt. Ich habe natürlich nichts gesagt. Was hätte es auch genutzt? Überhaupt interessiert mich die schlaumeiernde Korrektur von Fehler nicht die Bohne. Die Freude aber, die entsteht, wo Fehler das semantische Bedeutungsfeld erweitern und die Tür aufstoßen für neue Denkweisen, die teile ich gerne. So ist es auch im heutigen Fall, in dem das, was auf den ersten Blick wie eine syntaktisch-lexikalische Verwirrung anmutet, auf den zweiten nichts weniger bedeutet als einen kompletten Perspektivwechsel. Was der Dienstleister hier zum Ausdruck bringt, ist nicht sein Angebot an die Zielgruppe, sondern seine perfekte Einfühlung in diese. Man sieht förmlich, wie ein Kunde in höchster Not, das defekte Endgerät schwenkend, den Laden betritt und sein Anliegen stammelnd hervorpresst: „Computer! Sofort Hilfe!“

Freut euch, der Retter ist da!

2 Kommentare zu „Adventskalender, Mittwoch, 7. Dezember

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