Adventskalender, Montag, 12. Dezember

Eine Form von Schrift im öffentlichen Raum, die hier noch nicht behandelt wurde, ist die Inschrift. Der halbe Kalender ist schon befüllt, es wird also höchste Zeit, sich damit einmal zu beschäftigen. Wohlan: Die für Inschriften zuständige Wissenschaft heißt Epigraphik und unterteilt ihren Gegenstand nach Ort der Anbringung und Zweck in weitere Unterformen. Man denke etwa an Grabinschriften oder Denkmäler. Eine andere Kategorie ist die Hausinschrift, und hier muss man sagen: Es gibt solche und solche. Just dieser Tage noch schlenderte ich durch meinen alten Heimatort und bestaunte wieder einmal die schönen Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die sich dort reichlich finden lassen und von denen einige auch eine Hausinschrift (nicht selten ein Segensspruch) tragen. Die altmodische Schrift der meisten habe ich schon als Kind zu entziffern versucht, und einige kenne ich bis heute auswendig: „Nicht Kunst noch Fleiß noch Arbeit nützt, wenn Gott der Herr das Haus nicht schützt.“ Gerade denke ich, ich hätte mal ein Foto davon machen sollen. Eine andere Hausinschrift jedoch habe ich fotografiert, und wer hier gestern schon gestaunt hat, was im Schwäbischen und im Rheinland so möglich ist, der war noch nicht in Bregenz am Bodensee:

Heute passe ich an dieser Stelle, denn in diesen Zuammenhang möchte ich keines unserer schönen Advents- und Weihnachtslieder bringen.

Ausgerechnet am Portal einer Schule prangt dort bis heute diese Inschrift. Nun ist es mit Inschriften ähnlich wie mit den hier bereits behandelten Schreibfehlern: Was erst einmal in Stein gemeißelt ist, lässt sich nur schwer wieder entfernen. Die Tafel in der Mitte erklärt daher, dass die Schule bereits 1914 gebaut wurde, sorgt für ein wenig Kontextualisierung und unterstreicht: „Die Landeshauptstadt Bregenz bekennt sich zu einer multikulturellen Gesellschaft und deshalb jede Form von Fundamentalismus, Intoleranz und Gewalt ab.“ Angesichts dessen fällt es mir aber eigentlich nur umso schwerer, zu verstehen, warum man diesen Spruch nicht einfach entfernt hat. Was für eine Botschaft geht davon aus, das stehen zu lassen? Und das auch noch in Österreich …

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