Adventskalender, Donnerstag, 15. Dezember

Bislang haben wir hier vor allem zeitgenössische Zeugnisse der (zunehmenden) Beschriftung des öffentlichen Raums gesehen. Um unseren Gegenstand jedoch in allen Facetten zu erfassen, wollen wir dem Ganzen heute auch eine historische Perspektive hinzufügen. Zu diesem Zweck reisen wir zurück in eine Zeit, die das Mittelalter kaum hinter sich gelassen hatte und in der die Alphabetisierung breiterer Kreise der Menschheit infolge der Erfindung des Buchdrucks gerade erst begonnen hatte. Allzu zahlreich dürften die sprachlichen Zeichen im öffentlichen Raum damals noch nicht gewesen sein, wenn sie doch die meisten noch gar nicht lesen konnten. Umso mehr ragt natürlich heraus, was ich hier einmal eine der spektakulärsten Plakatierungsaktionen der deutschen Geschichte nennen möchte: der Thesenanschlag Martin Luthers. 95 Thesen gegen den Ablasshandel nagelte der Augustinermönch am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Diese Tat markiert den Beginn der Reformation, weshalb die evangelischen Christen am 31. Oktober auch den Reformationstag feiern. Über die Historizität der Ereignisse vermag ich mir kein Urteil zu erlauben, aber ein Foto aus Wittenberg habe ich mitgebracht, aufgenommen bei einem vorweihnachtlichen Kurzbesuch im letzten Winter. Es zeigt die weltberühmte Thesen-Tür. Allerdings handelt es sich nicht mehr um das Original, sondern um eine später angebrachte Tür aus Bronze, in die Luthers Thesen-Katalog sozusagen für die Ewigkeit eingegossen wurde.

"Herbei, oh ihr Gläub'gen": Hier gibt es was zu lesen.

Nun ist der Ablasshandel in der katholischen Kirche inzwischen kein Thema mehr, aber es gibt andere Missstände und Kritikpunkte, die die Mitglieder in Scharen zum Kirchenaustritt bewegen und weitere Reformationen dringend notwendig erscheinen lassen. Den vielleicht kleinsten Aspekt, nämlich jenen der Bürokratie, illustriert schlaglichtartig das folgende Schild, das ich beim Besuch eines der vielen hiesigen Behördenhäuser im Fahrstuhl fotografierte. Der Grund war, dass ich mir auf Anhieb nicht so richtig vorstellen konnte, was diese AG macht, warum sie nötig ist und wer ihr konkret angehören könnte.

"Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund."

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s