Adventskalender

Dienstag, 24. Dezember (Heiligabend)

Montag, 23. Dezember

Vor Weihnachten fehlt einem einfach immer die Zeit. Das ist auch hier nicht anders. Der Advent ist so gut wie zu Ende, morgen kommt schon der Weihnachtsmann in die Stadt, und es sind eine Menge schöne Lieder ungespielt geblieben. Das ist schade. Doch ich bin zuversichtlich: Aller Voraussicht nach wird es auch nächstes Jahr wieder ein Weihnachten geben und vier volle Wochen Advent. Dann lasse ich vielleicht Frank Sinatra mein Lieblingsweihnachtslied singen. In diesem Jahr intoniert er einen anderen Klassiker für uns, und die Wahl ist auch deshalb auf diesen gefallen, weil es dazu Bewegtbilder gibt. Das ist erstaunlich selten, wenn es um die alten Hollywoodstars und ihre Interpretationen weihnachtlichen Liedguts geht. Man sollte meinen, es gäbe tausend Aufnahmen davon, wie etwa Doris Day und Dean Martin, silberne Glöckchen oder Kaminfeuer besingen. Aber so ist es nicht. In diese Lücke springt dann der Fan oder ein Heinzelmännchen und unterlegt die alten Platten mit den entzückendsten Bildern. (Wir haben hier auch einige Beispiele dafür gesehen.) Da bin ich dann oft ebenfalls ganz erstaunt und frage mich, ob es jemanden gäbe, für den ich mir diese Mühe machen würde. Ich glaube nicht, aber wenn, dann natürlich Frank Sinatra.

Sonntag, 22. Dezember

In meiner Kindheit und frühen Jugend hatte die Advents- und Weihnachtszeit keinen anderen Soundtrack als die Lieder, die in diesen Wochen in der Kirche gesungen wurden. Ich schrieb schon, dass ich einige davon sehr mag. „Oh, du fröhliche“ zum Beispiel löst bei mir die allergrößte Feierlichkeit und reinste Weihnachtsfreude aus, aber ich kann es mir in keiner anderen Form vorstellen als in einer Kirche gesungen (und möchte es eigentlich auch nicht anders hören). Es bestehen allerdings auch nur wenige Möglichkeiten dazu. Denn anders im englischen und amerikanischen Sprachraum haben die althergebrachten deutschen Weihnachtslieder religiösen Inhalts keine neuen Interpretationen erfahren oder gar interessante Begegnungen gehabt mit Swing und Jazz oder am Ende auch Pop. Allein die Klassik hat hier manchmal ein bisschen gegrast. Und natürlich die Knabenchöre. Bei uns zu Hause wurde am Heiligen Abend immer eine Platte namens „Süßer die Glocken nie klingen“ aufgelegt. Darauf sangen die Wiener Sängerknaben außer dem Titelsong Lieder wie „Es ist ein Ros entsprungen“, „Maria durch ein Dornwald ging“ und „Aber Heitschi Bumbeitschi“. Ich fand es ganz, ganz furchtbar, ganz allgemein wegen dem süßlichen Gezwitscher, das von all diesen Sängerknaben, Thomanern und Domspatzen ja in der Regel ausgeht, zum anderen im Speziellen wegen diesem schlimmen, psychomäßigen „Heidschi Bumbeitschi“, das mich in frühen Jahren nachhaltig verstört hat: Erst geht die Mutter weg und kommt nicht mehr heim, und dann kommt auch noch der schwarze Mann, jener, der keinen Namen hat, der furchtbare Heidschibumbeitschi: „Der Heidschi bumbeidschi is kumma und hot ma mei Biable mitgnumma, er hot ma’s mitgnumma und hots nimmer bracht.“ (Ihr lieben Freunde, was ist das eigentlich für ein beschissenes Weihnachtslied?) Ich weiß nicht, ob mein Heidschi-Bumbeitschi-Bummbumm-Trauma das meiner Medienberaterin Tanja überwiegt. Dort wurde der Heilige Abend mit „Stille Nacht“ in einer Darbietung von Iwan Rebroff eröffnet. So hat jeder sein Päkchen zu tragen. Und das schwere Erbe wird weitergegeben: Heute ist es mancherorts sicher Helene Fischer, die für die passenden Festgefühle sorgt. Vielleicht ist es also besser, dass manche Lieder in der Kirche bleiben. Ein paar davon kann man auch ins Englische transponieren und aus dieser Distanz dann wieder genießen, wie zum Beispiel das folgende, das mein zweitliebstes Weihnachtslied ist.

 

Samstag, 21. Dezember

Nein, es geht doch nicht ohne. Dann müssen wir in diesem Jahr halt auf Boney M. und „Mary´s Boychild“ verzichten.

Freitag, 20. Dezember

Wenn alles gut läuft, feiert man Weihnachten nicht alleine. Es ist vielmehr das Fest der Familie und der Mitmenschen. Und die haben natürlich auch alle ihre eigenen Lieder. Mein kleiner Neffe zum Beispiel bringt zur Melodie von „Alle Vögel sind schon da“ schon seit mehr als zwei Jahren mit Begeisterung ein Weihnachtslied in Phantasiesprache zu Gehör, dessen Text sich allerdings bemerkenswerterweise vom letzten bis zu diesem Jahr in keiner einzigen Silbe geändert zu haben scheint („Falle liga o gotschi“). Seine kleine Schwester singt mit ähnlichem Enthusiasmus, aber zu einer anderen Melodie: „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, der Opa sitzt im Kofferraum“. Der ganze Text dieses beliebten Kindergarten-Stücks würde hier nicht nur zu weit führen, sondern wäre wegen der expliziten Lyrics auch zu überbeepen. Meine Medienberaterin und Freundin Tanja wiederum hat eine Schwäche für das heutige Lied, das ich noch nicht kannte, aber eigentlich auch ziemlich charmant finde. Ich habe dafür „Joy to the world“ von Nat King Cole gestrichen. (Sicher nicht zu recht, aber …)

 

Donnerstag, 19. Dezember

Im Rahmen der eingehenden Beschäftigung mit dem weihnachtlichen Liedgut und der dazugehörigen gründlichen Recherchen bei Google und YouTube habe ich mich absichtsvoll und im Dienst der Sache auch durch eine ganze Menge Stücke oder Versionen geklickt, vor denen ich ehrlich Angst hatte. Schließlich wollte ich hier in den Tagen bis Weihnachten nicht nur meine eigene klassische Wunschparade runterspielen, also Songs, die die meisten vermutlich ohnehin schon kennen. Sondern ich wollte natürlich verborgene Perlen und Stiefkinder entdecken und mit bislang Unerhörtem beeindrucken. Aber ein zukünftiger neuer Evergreen und oder irgendeine zwingende Neuinterpretation eines altbekannten X-Mas-Krachers sind mir dabei nicht begegnet. (Bei Lana Del Rey und „I`ll be home for Christmas“ habe ich allerdings kurz gezögert.) Was ich aber gefunden habe, sind einige wirklich schlimme, grausame Stücke von großen Künstlern und Songschreibern, denen man selbst betrunken oder dement Relevanteres zugetraut hätte. Platz zwei geht hier an Udo Jürgens, der mit „Merry Christmas allerseits“ 2003 noch mal eine Art von Humor strapaziert, deren ganzes Potenzial Didi Hallervorden und Helga Feddersen 1978 mit „Du, die Wanne ist voll“ erstmals ausgelotet und damit gleichzeitig auch völlig erschöpft haben. (Von Stefan Raabs „Maschendrahtzaun“ reden wir hier deswegen gar nicht.) In einer ähnlich lustigen Anmutung war offensichtlich auch Bob Dylan unterwegs, der sich 2009 ebenfalls an der deutschen Hitparade der 70er-Jahre orientiert hat und mit „Must be Santa“ etwas fabriziert hat, das fatal an das „Lied der Schlümpfe“ erinnert. Das ist so unbelievable scheiße, dass man es sich vielleicht einmal ansehen sollte. Ich möchte es hier allerdings nicht zeigen. Stattdessen gibt es dies hier. Das habe ich auf dem Google-Weg auch entdeckt. Ich weiß noch nicht, ob es bleibt, aber es könnte wohl sein. (Kirsten, dies hier ist auf jeden Fall für dich):

Mittwoch, 18. Dezember

Auch dieses Lied arbeitet mit dem Topos der Heimkehr (siehe 11. Dezember“) und wurde in meinem Herzen mit der berühmten Compilation „Christmas with the stars“ (siehe 5. Dezember) verankert. Ich würde noch immer sagen, auf dieser Perlensammlung ist im Notfall alles drauf, um ein vernünftiges Christfest zu bestreiten. Oder anders: Wer braucht Michael Buble, wenn er Doris Day haben kann?

Dienstag, 17. Dezember

Von allen Bands, die für mich als junger Mensch wichtig waren, also meine persönliche  Erwachsen- und Menschwerdung mit beeinflusst haben, hat keine einzige je ein Weihnachtslied geschrieben oder auch nur gesungen. Ein Grund dafür war vermutlich, dass man früher, wenn man musikalisch etwas auf sich hielt, auf den Kitsch-Zug, den so ein Weihnachtssong ja immer auch bedeutete, nicht aufspringen wollte. Man hatte noch etwas zu verlieren. Heute zählt das Verdienen mehr. Aber freilich konnte auch früher schon ein einziges gut gehendes Weihnachtslied den in prekären Verhältnissen lebenden Künstler für immer von allen Geldsorgen befreien. (Insofern wünschte natürlich auch ich, ich hätte „Last Christmas“ geschrieben.) Aber auch wenn man bereits Drillionen auf dem Konto hat, spült so ein hübsches Weihnachtslied gut und gerne noch einmal viele weitere tausend Taler in den Geldspeicher. Ich weiß nicht, wie gut Robbie Williams fürs Alter vorgesorgt hat, aber er hat dieses Jahr auf jeden Fall ein ganzes Weihnachtsalbum (Doppel-CD!) herausgebracht. Ich weiß auch noch nicht, wie ich das/die finde. Aber man muss ja auch mal offen sein für Neues. Im Hinblick auf den zukünftigen Geldsegen tippe ich jedenfalls auf dieses.

Montag, 16. Dezember

Wenn man die 50 einmal überschritten hat, muss einem nichts mehr peinlich sein. Und seine Coolness über den Weg des Musikgeschmacks unter Beweis stellen, das muss man ja in dem Alter auch nicht mehr. Mit Coolness kommt man beim Weihnachtslied ohnehin nicht weiter. Deshalb jetzt die Play-Taste gedrückt für Rosemary Clooney, die Tante des schönen George, die im Amerika der 1950er-Jahre aber auch eine Showbiz-Größe und eine der bekanntesten Jazzsängerinnen war. Ich kriege aus irgendeinem Grund jedes Mal wieder eine Gänsehaut bei dem heiligen Ernst dieses Liedes.

Sonntag, 15. Dezember (3. Advent)

Wo immer sich drei, fünf oder sieben Tenöre dem weihnachtlichen Liedgut widmen, wende ich mich in der Regel mit Grausen ab. Denn die elitären, elaborierten Interpretationsformen der Klassik passen für mich überhaupt nicht zu meinem Verständnis von Weihnachten und seinem Lied. Ich finde, ein richtiges Weihnachtslied muss man prinzipiell immer mitsingen können. (Aus der anderen Perspektive betrachtet gibt zudem oft auch so einen schlimmen Kitsch-Clash, weil der Habitus der Klassik stark mit der Einfachheit und Naivität der weihnachtlichen Weise kollidiert.) Von all diesen Bedenken befreit bin ich bei dem folgenden Lied, weil ich es gleich so kennengelernt habe. Deshalb überlege ich gar nicht, dass es im Grunde nur ein einfaches Zählgedicht ist wie „Der Herr, der schickt den Jockel aus“ und dass diese Instrumentensache ja auch an „Peter und der Wolf“ erinnert. Ich höre einfach Dame Kiri zu und freue mich. (Und an einem Sonntag im Advent ist ein bisschen Klassik ja auch nicht verboten.)

Samstag, 14. Dezember

Eines meiner liebsten Weihnachtslieder ist seit eh und je und Jahr und Tag, also genau seit 1987, “Fairytale of New York”. Ich mag es eigentlich wegen allem, wegen der irish-folkigen Melodienseligkeit, wegen des Witzes, mit dem diese versoffene, traurige Geschichte erzählt wird, wegen Shane McGowans rotzigem Gesang und weil trotz Punk und X-Mess dank all der kleinen Pfeifen und Streicher eben doch die ganze Schönheit von Weihnachten zu hören ist. Vor allem aber mag ich dieses Lied wegen Kristy MacColl, mit der es mich damals erstmals bekannt gemacht hat. Das war gut. Denn ihre feinen Melodien, ihre eleganten, geistreichen Texte und ihr Vermögen, Verzweiflung in Humor aufzulösen, würden mir sonst sehr fehlen. (PS: Der Polizist in dem Video ist übrigens Matt Dillon.)

Freitag, der 13. (Dezember)

Mit „Do they know it´s christmas“ ist es ein bisschen so wie mit „Last christmas“: Man weiß nicht, ob man es noch hören kann/will, und alle Geschichten dazu sind ebenfalls schon tausendmal erzählt. Wie Bob Geldorf und Midge Ure sich damals zusammentaten, wie sie alle zusammentrommelten und wie sie dann in einer einzigen Nacht im Studio von Trevor Horn … In diesem Jahr ist das 35 Jahre her. „Last Christmas“ ist ebenfalls von 1984, und George Michael ist hier wie da dabei. Aber in dem Band-Aid-Video kann man außer ihm noch so viele andere alte Helden in der lange vergangenen Blüte der jungen Jahre sehen, dass ich persönlich angesichts dessen immer ganz nostalgisch werde. (So ist das halt bei den alten Leuten mit den alten Geschichten.) „Last Christmas“ ist heute viel populärer, aber 1984 hat zu Weihnachten „Do the know it´s christmas“ die Charts angeführt.

Donnerstag, 12. Dezember

In Zeiten des Lichts fällt es oft schwer, sich zu erinnern, dass es auch Finsternis gibt. Aber sie umgibt uns. Immer. Und so existiert nicht nur das friedliche, fröhliche und der guten X-Mas-Sache freundlich gesinnte Weihnachtslied, sondern auch dessen genaues Gegenteil, der X-Mess-Song sozusagen, der uns die ganze schöne Weihnacht wegschrammelt, bis von ihr (außer vielleicht im Text) nichts mehr zu hören ist. Auch hier sind die Vertreter zahlreich und nicht selten im Punk zu finden. Für alle, die mal eine Pause brauchen, sind hier Blondie, die mit „We Three Kings“ ein klassisches englisches Christmas Carol erledigen bzw. erst erträglich machen. Wer wissen will, wie der Konterpart klingt, der lausche der Version der Beach Boys.

Mittwoch, 11. Dezember

Eine genauere empirische Betrachtung der historischen Entwicklung des (vor)weihnachtlichen Liedguts, führt selbst den Laien schnell zu der Erkenntnis, dass in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts thematische und musikalische Grenzen, die jahrhundertelang galten und recht eng gesteckt waren, komplett gesprengt wurden. Im Weihnachtslied einzig und allein zu besingen war zuvor – und das möglichst feierlich – das namengebende, zentrale Ereignis, nämlich die Geburt des Jesuskindes. Peu à peu aber wurde dann im amerikanischen Sprachraum irgendwann aus der „christmas“ die recht beliebige „season“, die dann zu schlichten „holidays“ weiterdiffundierte, und das Genre „Weihnachtspop“ entstand. Indem aber damit auch die religiösen Inhalte schwanden, entstand eine große thematische Leerstelle, die es neu zu besetzen galt. Daher geht es im modernen Weihnachtslied nicht selten oft die Weihnachtszeit an sich und ihre besonderen Umstände (Heimeligkeit/Stress, Schnee/Wetter, Geschenke/Konsum, Liebe und diffuse Freude), und es gibt bestimmte Topoi, die immer wiederkehren. Eines davon ist die Heimkehr. In diese Unterkategorie gehören zum Beispiel John Bon Jovis „Please come home for christmas“ oder Jona Lewis „Stop the cavalry“, das ursprünglich gar nicht als Weihnachtslied gedacht war, sondern als Protestsong, aber rein wegen der Zeile „wish I was at home for christmas“ irgendwann in die deutlich tantiemenstärkere Weihnachtsliga aufstieg. Das bekannteste und schönste all der leicht melancholischen Heimkehrer-Stücke ist aber natürlich dieses.

Dienstag, 10. Dezember

Es scheppert auf dem Weihnachtsmarkt aus jeder Glühweinbude, es hat überhaupt keinen richtigen Text, es geht einem immer so ein bisschen auf die Nerven, und doch lieben es alle (auch ich). Vermutlich, weil es so fröhlich ist und/oder weil man es auch betrunken noch tadellos mitsingen kann. Insofern finde ich dieses YouTube-Tutorial (und seine Klickzahlen) umso erstaunlicher.

Montag, 9. Dezember

Wenn mich jemand nach einem Lied oder Hit von Mariah Carey ihr fragen würde, dann müsste ich (ich habe es im Selbstversuch getestet) auf Anhieb passen. Denn Mariah Carey war nie so mein Fall. Aber ich dachte, dass ich passiv doch einiges kennen würde. Daher zog ich schnell das allwissende Google zurate, damit es mir auf die Sprünge hülfe. Und tatsächlich: Schon meine Eingabe von „Maria“ wurde zu „Mariah Carey“ komplettiert. Das spricht nun deutlich für die Prominenz und Relevanz der Künstlerin. Aber erstaunlicherweise und wider jede Erwartung wurde ich in der Trefferliste sonst nicht weiter fündig. Denn solange Mariah Carey auch schon im Geschäft sein mag, ich kenne offensichtlich nur einen einzigen Hit von ihr („Hero“) – und natürlich dieses Weihnachtslied. Aber das gehört ganz ohne Frage in jeden gut sortierten Adventskalender!

Sonntag, 8. Dezember (2. Advent)

Gerade als böse alte Frau darf man auf keinen Fall die Fähigkeit zur Selbstkritik verlieren. Sonst kann man ja über keinen mehr glaubhaft schimpfen. Daher nähern wir uns hier heute einmal einem grundlegenden Problem, das sich in Zusammenhang mit diesem kleinen musikalischen Adventskalender stellt. Es lautet: Es handelte sich bisher ausschließlich um Weihnachtslieder und nicht um solche, die zum Advent und somit eigentlich auch in solchen Kalender gehören. Dies wird vermutlich leider auch im weiteren Verlauf so bleiben. Denn in die internationale Popmusik Einzug gehalten hat das Adventslied ja nach wie vor nicht. Schließlich hat es vom Wesen her einen ganz anderen Charakter als die Weihnachstweise, ist nicht so festlich, freudig, schmetternd, noch nicht so Gloriainexcelsisdeo. Daher ist der Ort für den Advent und sein Lied noch immer vor allem die Kirche (die vor dem 24. Dezember aber natürlich kaum jemand betritt). Das ist schade, denn es gibt – ich erinnere mich noch gut – wunderschöne Adventslieder. „Wachet auf“ zum Beispiel und „Oh komm, oh komm Emmanuel“ und natürlich „Tochter Zion“ sind ein musikalisches Erbe meiner katholischen Erziehung, auf das ich auf keinen Fall verzichten möchte. Ich weiß, diese Musik ist wenig populär, aber im Advent, an einem Sonntag zumal, darf man sie doch einmal spielen und sich erinnern.

PS: Das Ganze gibt es natürlich auch in viel kunstvoller (immerhin ist es, wie ich gestern von Google gelernt habe, von Händel), aber dies hier klingt am ehesten nach den Umständen, unter denen ich es kennengelernt habe.

Samstag, 7. September

Ach, Kim Wilde … (Aber wer war eigentlich dieser Mel?)

Freitag, 6. Dezember (Nikolaus)

Nikolaus fand ich als Kind fast so schön wie Weihnachten. Möglich war das vermutlich auch deshalb, weil es noch nicht so viele Geschenke gab. Heute ist Nikolaus ein ganz normaler (Arbeits-)Tag, und nur manchmal erinnert man sich noch an die dunklen, warmen Nikolausabende im Elternhaus. Nichtsdestotrotz wollen wir natürlich auch heute froh und munter sein. Dazu trägt in meinem Fall auch Sido ganz wesentlich bei, der – quasi als Nikolaus und Knecht Ruprecht in einem – mit seinem „Weihnachtssong“ seit 2003 meine Laune alle Jahre wieder deutlich hebt. Er hat zwar noch die Maske auf, aber man konnte es damals schon ahnen: Anders als Bushido ist Sido bei den Guten.

Donnerstag, 5. Dezember

Vor ungefähr 30 Jahren habe ich irgendwo für kleines Geld eine Kassette (!) gekauft mit dem schönen Titel „Christmas with the stars“. Darauf war eine Auswahl populärer amerikanischer Weihnachtslieder, gesungen von Hollywood-Stars der 50er-/60-er Jahre. Viele der Songs waren mir gänzlich unbekannt, viele der Stars auch. Ich war noch jung, und es gab noch viel zu entdecken. Heute kenne ich von den meisten amerikanischen Christmas Carols mindestens noch zehn andere Varianten von achtzehn anderen Interpreten. In manchen Fällen habe ich darunter andere, schönere Versionen entdeckt. Bei diesem hier nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass es außer Bette Midler eigentlich niemand mehr neu aufgenommen hat.

Mittwoch, 4. Dezember

Wo ich gestern der Abwesenheit von Bildern in der Musik noch einiges abgewinnen konnte, finde ich heute, dass man zu diesem Weihnachtslied unbedingt auch das Video sehen sollte. Sonst versteht man es in seiner Vorweihnachtsseligkeit womöglich noch völlig falsch. Den Zugang dazu will einem YouTube allerdings nicht so leicht gewähren: Es verlangt eine Anmeldung, einen Altersnachweis und warnt: „Der folgende Inhalt wurde von der YouTube-Community für einige Zielgruppen als unangemessen oder beleidigend eingestuft.“ Und zugegeben, die Friedensbotschaft ist nicht besonders friedlich, das Video krass. Aber viel krasser und unangemessener ist doch, dass es knapp 50 Jahre später noch genauso gedreht werden könnte/müsste. War is over if you want it? Las ich nicht erst gestern, dass in der Amtszeit von D. Trump – und zu dessen größter Freude – die Verteidigungsausgaben der hirntoten NATO um 130 Milliarden Dollar gestiegen seien. Vorerst scheint also noch niemand zu wollen.

Dienstag, 3. Dezember

Merry Christmas, Jason und Jim-Bob! Das ist jetzt auch schon gut und gerne 30 Jahre her. Aber wie die Cowpunker aus Berlin ausehen, weiß ich bis heute nicht. Früher war das keineswegs ungewöhnlich. Da gab es manche Bands, deren Lieder man dauernd gehört hat, von denen man aber überhaupt nicht wusste, wie sie aussehen. Ich habe immer noch eine ganze Menge Lieblingssongs, mit denen ich bis heute kein einziges Gesicht oder Bild verbinde – inzwischen beinahe unvorstellbar.

Montag, 2. Dezember

Keiner kann´s mehr hören, aber irgendwie geht es ja nicht ohne. Also bringen wir es gleich hinter uns.

Sonntag, 1. Dezember

`Tis the season to be jolly.