Adventskalender

Freitag, der 13. (Dezember)

Mit „Do they know it´s christmas“ ist es ein bisschen so wie mit „Last christmas“: Man weiß nicht, ob man es noch hören kann/will, und alle Geschichten dazu sind ebenfalls lange auserzählt. Wie Bob Geldorf und Midge Ure sich damals zusammentaten, wie sie alle zusammentrommelten und wie sie dann in einer einzigen Nacht im Studio von Trevor Horn … In diesem Jahr ist das 35 Jahre her. „Last Christmas“ ist ebenfalls von 1984, und George Michael ist hier wie da dabei. Aber in dem Band-Aid-Video kann man außer ihm noch so viele andere alte Helden in der lange vergangenen Blüte der jungen Jahre sehen, dass ich persönlich angesichts dessen immer ganz nostalgisch werde. (So ist das halt bei den alten Leuten mit den alten Geschichten.) „Last Christmas“ ist inzwischen viel populärer, aber 1984 hat zu Weihnachten „Do the know it´s christmas“ die Charts angeführt.

Donnerstag, 12. Dezember

In Zeiten des Lichts fällt es oft schwer, sich zu erinnern, dass es auch Finsternis gibt. Aber sie umgibt uns. Immer. Und so existiert nicht nur das friedliche, fröhliche und der guten X-Mas-Sache freundlich gesinnte Weihnachtslied, sondern auch dessen genaues Gegenteil, der X-Mess-Song sozusagen, der uns die ganze schöne Weihnacht wegschrammelt, bis von ihr (außer vielleicht im Text) nichts mehr zu hören ist. Auch hier sind die Vertreter zahlreich und nicht selten im Punk zu finden. Für alle, die mal eine Pause brauchen, sind hier Blondie, die mit „We Three Kings“ ein klassisches englisches Christmas Carol erledigen bzw. erst erträglich machen. Wer wissen will, wie der Konterpart klingt, der lausche der Version der Beach Boys.

Mittwoch, 11. Dezember

Eine genauere empirische Betrachtung der historischen Entwicklung des (vor)weihnachtlichen Liedguts, führt selbst den Laien schnell zu der Erkenntnis, dass in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts thematische und musikalische Grenzen, die jahrhundertelang galten und recht eng gesteckt waren, komplett gesprengt wurden. Im Weihnachtslied einzig und allein zu besingen war zuvor – und das möglichst feierlich – das namengebende, zentrale Ereignis, nämlich die Geburt des Jesuskindes. Peu à peu aber wurde dann im amerikanischen Sprachraum irgendwann aus der „christmas“ die recht beliebige „season“, die dann zu schlichten „holidays“ weiterdiffundierte, und das Genre „Weihnachtspop“ entstand. Indem aber damit auch die religiösen Inhalte schwanden, entstand eine große thematische Leerstelle, die es neu zu besetzen galt. Daher geht es im modernen Weihnachtslied nicht selten oft die Weihnachtszeit an sich und ihre besonderen Umstände (Heimeligkeit/Stress, Schnee/Wetter, Geschenke/Konsum, Liebe und diffuse Freude), und es gibt bestimmte Topoi, die immer wiederkehren. Eines davon ist die Heimkehr. In diese Unterkategorie gehören zum Beispiel John Bon Jovis „Please come home for christmas“ oder Jona Lewis „Stop the cavalry“, das ursprünglich gar nicht als Weihnachtslied gedacht war, sondern als Protestsong, aber rein wegen der Zeile „wish I was at home for christmas“ irgendwann in die deutlich tantiemenstärkere Weihnachtsliga avancierte. Das bekannteste und schönste all der leicht melancholischen Heimkehrer-Stücke ist aber natürlich dieses.

Dienstag, 10. Dezember

Es scheppert auf dem Weihnachtsmarkt aus jeder Glühweinbude, es hat überhaupt keinen richtigen Text, es geht einem immer so ein bisschen auf die Nerven, und doch lieben es alle (auch ich). Vermutlich, weil es so fröhlich ist und/oder weil man es auch betrunken noch tadellos mitsingen kann. Insofern finde ich dieses YouTube-Tutorial (und seine Klickzahlen) umso erstaunlicher.

Montag, 9. Dezember

Wenn mich jemand nach einem Lied oder Hit von Mariah Carey ihr fragen würde, dann müsste ich (ich habe es im Selbstversuch getestet) auf Anhieb passen. Denn Mariah Carey war nie so mein Fall. Aber ich dachte, dass ich passiv doch einiges kennen würde. Daher zog ich schnell das allwissende Google zurate, damit es mir auf die Sprünge hülfe. Und tatsächlich: Schon meine Eingabe von „Maria“ wurde zu „Mariah Carey“ komplettiert. Das spricht nun deutlich für die Prominenz und Relevanz der Künstlerin. Aber erstaunlicherweise und wider jede Erwartung wurde ich in der Trefferliste sonst nicht weiter fündig. Denn solange Mariah Carey auch schon im Geschäft sein mag, ich kenne offensichtlich nur einen einzigen Hit von ihr („Hero“) – und natürlich dieses Weihnachtslied. Aber das gehört ganz ohne Frage in jeden gut sortierten Adventskalender!

Sonntag, 8. Dezember (2. Advent)

Gerade als böse alte Frau darf man auf keinen Fall die Fähigkeit zur Selbstkritik verlieren. Sonst kann man ja über keinen mehr glaubhaft schimpfen. Daher nähern wir uns hier heute einmal einem grundlegenden Problem, das sich in Zusammenhang mit diesem kleinen musikalischen Adventskalender stellt. Es lautet: Es handelte sich bisher ausschließlich um Weihnachtslieder und nicht um solche, die zum Advent und somit eigentlich auch in solchen Kalender gehören. Dies wird vermutlich leider auch im weiteren Verlauf so bleiben. Denn in die internationale Popmusik Einzug gehalten hat das Adventslied ja nach wie vor nicht. Schließlich hat es vom Wesen her einen ganz anderen Charakter als die Weihnachstweise, ist nicht so festlich, freudig, schmetternd, noch nicht so Gloriainexcelsisdeo. Daher ist der Ort für den Advent und sein Lied noch immer vor allem die Kirche (die vor dem 24. Dezember aber natürlich kaum jemand betritt). Das ist schade, denn es gibt – ich erinnere mich noch gut – wunderschöne Adventslieder. „Wachet auf“ zum Beispiel und „Oh komm, oh komm Emmanuel“ und natürlich „Tochter Zion“ sind ein musikalisches Erbe meiner katholischen Erziehung, auf das ich auf keinen Fall verzichten möchte. Ich weiß, diese Musik ist wenig populär, aber im Advent, an einem Sonntag zumal, darf man sie doch einmal spielen und sich erinnern.

PS: Das Ganze gibt es natürlich auch in viel kunstvoller (immerhin ist es, wie ich gestern von Google gelernt habe, von Händel), aber dies hier klingt am ehesten nach den Umständen, unter denen ich es kennengelernt habe.

Samstag, 7. September

Ach, Kim Wilde … (Aber wer war eigentlich dieser Mel?)

Freitag, 6. Dezember (Nikolaus)

Nikolaus fand ich als Kind fast so schön wie Weihnachten. Möglich war das vermutlich auch deshalb, weil es noch nicht so viele Geschenke gab. Heute ist Nikolaus ein ganz normaler (Arbeits-)Tag, und nur manchmal erinnert sich noch an die dunklen, warmen Nikolausabende im Elternhaus. Nichtsdestotrotz wollen wir natürlich auch heute froh und munter sein. Dazu trägt in meinem Fall auch Sido ganz wesentlich bei, der – quasi als Nikolaus und Knecht Ruprecht in einem – mit seinem „Weihnachtssong“ seit 2003 meine Laune alle Jahre wieder deutlich hebt. Er hat zwar noch die Maske auf, aber man konnte es damals schon ahnen: Anders als Bushido ist Sido bei den Guten.

Donnerstag, 5. Dezember

Vor ungefähr 30 Jahren habe ich irgendwo für kleines Geld eine Kassette (!) gekauft mit dem schönen Titel „Christmas with the stars“. Viele der Lieder waren mir gänzlich unbekannt, viele der Stars auch. Ich war noch jung, und es gab noch viel zu entdecken. Heute kenne ich von den meisten amerikanischen Weihnachtssongs mindestens noch zehn andere Varianten von achtzehn anderen Interpreten. In manchen Fällen habe ich darunter andere, schönere Versionen entdeckt. Bei diesem hier nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass es außer Bette Midler eigentlich niemand mehr neu aufgenommen hat.

Mittwoch, 4. Dezember

Wo ich gestern der Abwesenheit von Bildern in der Musik noch einiges abgewinnen konnte, finde ich heute, dass man zu diesem Weihnachtslied unbedingt auch das Video sehen sollte. Sonst versteht man es in seiner Vorweihnachtsseligkeit womöglich noch völlig falsch. Den Zugang dazu will einem YouTube allerdings nicht so leicht gewähren: Es verlangt eine Anmeldung, einen Altersnachweis und warnt: „Der folgende Inhalt wurde von der YouTube-Community für einige Zielgruppen als unangemessen oder beleidigend eingestuft.“ Und zugegeben, die Friedensbotschaft ist nicht besonders friedlich, das Video krass. Aber viel krasser und unangemessener ist doch, dass es knapp 50 Jahre später noch genauso gedreht werden könnte/müsste. War is over if you want it? Las ich nicht erst gestern, dass in der Amtszeit von D. Trump – und zu dessen größter Freude – die Verteidigungsausgaben der hirntoten NATO um 130 Milliarden Dollar gestiegen seien. Vorerst scheint also noch niemand zu wollen.

Dienstag, 3. Dezember

Merry Christmas, Jason und Jim-Bob! Das ist jetzt auch schon gut und gerne 30 Jahre her. Aber wie die Cowpunker aus Berlin ausehen, weiß ich bis heute nicht. Früher war das keineswegs ungewöhnlich. Da gab es manche Bands, deren Lieder man dauernd gehört hat, von denen man aber überhaupt nicht wusste, wie sie aussehen. Ich habe heute noch eine Menge Lieblingssongs, mit denen ich kein einziges Gesicht oder Bild verbinde – heute beinahe unvorstellbar.

Montag, 2. Dezember

Keiner kann´s mehr hören, aber irgendwie geht es ja nicht ohne. Also bringen wir es gleich hinter uns.

Sonntag, 1. Dezember

`Tis the season to be jolly.